auf weißen lilien

Ich bin der Mensch mit der Kapuze, der sich fragt, was unsere Blicke zu bedeuten haben und ob du schon weißt, wo dein Abend heute endet. Ich wünsche mir Nähe. Und das ist kein Euphemismus für seelenlosen Sex. – Nähe. Ich bin der Typ mit den Blicken, die lange Schatten nach sich ziehen – in die Frau mit Augenringen und Zigarettenstummel im Mundwinkel, die wieder einen Stapel Spielkarten fallen gelassen hat – aber sie lässt sie liegen, diesmal lässt sie sie liegen. Sind wir das und er zeigt auf eine Leinwand. Sind wir das, fragt der Autor und zwinkert in den Spiegel. Sind wir das? Also sind wir das? Also wirklich – sind wir das? Also sind wir das? Sind wir diese ekelhaften Wesen – wie sie so durch die Gegend straucheln und Worthülsen in die Luft blasen – kleine Euphemismen – sind wir das? 20h bei mir. Bleiches Gesicht. Sicherheitswort: türklinkengesicht. Schreib: Ja, ich will dass du mich gehirnfickst und mich benutzt, Meister. Ich will deine Schülerin sein. – Wenn ich nicht ich wäre, würde ich Sie heiraten – also sie, also mich. Aber ich bin ich. Und was zu diesem Zeitpunkt gesagt werden muss: <3 – wann und wo und wie geht es weiter, also geht es weiter – also geht es weiter? Wo und wann und wie geht es weiter, also geht es weiter – also geht es weiter? Gehirnficken. Ihr habt doch alle ein Rad ab. Es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass du dich so fühlst. Aber vermutlich kann ich nicht mehr als das. Hilflos. Ihr Worthülsen – so durch die Luft geblasen, so geblasen eben – Gedankenlos. Nähe und Gehirnficken – Nähe und Euphemismen und jede Nähe ist ein Euphemismus für Sex und jedes Nähe wollen ist kleine Schwächen in die Welt schicken und jedes Ruhe wollen ist schwach sein – schwach sein und jedes Einsame ist eigentlich brauche ich Sex und jedes an die Wand starren ist ein Euphemismus für an die Wand starren – also an die Wand starren du Irrer. Ich bin der Typ, der dir noch eine Geschichte schuldet und der Typ, der dich begräbt mit Worten und der Typ, der schreibt, wenn ich nicht ich wäre, würde ich dich heiraten, und ich bin der Typ der Scheiße schreibt, wenn er betrunken ist und ich bin der Typ, der an die Wand starrt und fragt, sind wir das und ich bin der Typ, der hilflos schreibt und ich bin der Typ, der dir mit seinen Worten ins Hirn kotzt – also wirklich: sind wir das? Sind wir dieser erbärmliche Haufen an Worthülsen, an leeren Versprechungen gegen die Einsamkeit, an rum vögeln mit großen Euphemismen – also Euphemismus vögeln mit diesem peinlichen rum Gelaber. Kleine zusammengerissene Aufrisse. In dir bin ich dann für eine Nacht etwas Anderes – ein Anderer in dir und der Blick geht hoch gegen die Wand – sind wir das? Also sind wir das? Sind wir das? Wirklich – sind wir das? Sind wir das? So entlang der Hülle – so entlang der Oberfläche – so entlang der obersten Hülle – so entlang und jedes weitere Wort füttert die Neurosen – so entlang der Hülle und du bist so schön, wenn du lächelst – so schön für eine Nacht ohne Euphemismus und zähl die Worte, bis wir rüber gehen und zähl die Worte bis es vorbei ist und zähl die Worte bis es ein Lächeln ist und was riecht so gut an dir? Mein Kopfkissen hat noch eine Woche nach dir gerochen – und zähl die Worte, bis du endlich aufhörst zu reden und zähl die Worte – zähl die Worte, zähl die nutzlosen Worthülsen, zähl die Euphemismen, zähl die Scheiße, die man so labert, wenn man voll ist oder auf MDA oder auf Koks und zähl dich einfach durchs Leben mit rumhuren auf irgendwelchen Clubtoiletten – sind wir das? Sind wir diese erbärmlichen Schatten von Dasein – sind wir das? Sich an der obersten Schicht abarbeiten – schön oben bleiben, schön bleiben – und Nähe ist ein Euphemismus für Nähe – also oben, oben auf der Hülle ein wenig nah sein, ein wenig. In diesem Blick – also in diesem Blick – genau in diesem Blick für kein Euphemismus, in diesem Blick die Wand hoch sind wir das, in diesem Blick wenn ich nicht ich wäre, in diesem Blick Gehirnficken – in diesem Blick kann ich nicht schön sein – in diesem Blick der oben bleibt, der nur die Hülle will, der vorbei schaut, der weg schaut, der kaputt schaut, der tot schaut, der tötet. Das bin ich nicht. Da ist kein Ich. Also Tschüss.

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