gefallen

Die meisten Männer denken doch, sie tun mir einen Gefallen, wenn sie sich mit mir abgeben – so sexuell, weil ich da nicht so viel zu bieten habe. Also tu mir den Gefallen, schieb deine Hände in mich – schieb dich ganz rein bis zum Anschlag. Tu mir den Gefallen – im Hausflur bin ich sicher und kann schreien, wenn es mir zu viel wird – tu mir den Gefallen. Wenn sie sich mit mir abgeben und ein paar Worte tauschen, auf die eine oder andere Art. Ich stehe in der Küche und würge Essen hinunter – für Genießer – während ich Houellebecq verschlinge: niemals liefert man sich in einem Gespräch so restlos aus, wie man sich einem leeren Blatt ausliefert. Du könntest jetzt den Schneid haben und mich lieben – wie ich Ich bin. Die meisten Männer denken doch, sie tun mir einen Gefallen, wenn sie so tun, als würde ich ihnen gefallen – weil ich nicht viel zu bieten habe. Und irgendwo klafft diese Wunde – irgendwo unten im Schritt klafft diese Wunde – irgendwo klafft diese Wunde und so lange du mich nur nicht los lässt, unten im Hausflur, so lange ich schreien kann, ist alles okay – es ist alles okay. Dein ganzes Sein kannst du gegen diese Wunde drücken – es ist alles okay, so lange du nur fest zudrückst. Verstehe mich, ich will dich – ganz verlieren. Oder nie – besitzen. Du willst ja, dass deine Lippen tanzen – auf meinen – du willst ja, dass deine Worte in mir tanzen und du. Du willst ja, dass ich mehr bin, als ich bin – so gehalten gegen den Wind, gegen die Großstadt – so festgehalten und zugedrückt. Und ich habe nur dieses eine Lächeln – diese eine milde Lächeln, wenn du mich wieder in Rage redest – wenn du mich zerredest und nichts von dem glauben kannst, nichts von mir glauben kannst, mich nicht glauben kannst. Wenn du mir dein Dasein ganz aufzwingen willst – ich will es. Ich mag deine Imperative – da kann man so schön Nein denken und Ja sagen. Ganz aufzwingen und ich bin dann dieser Mensch, der nickt, milde lächelt – ich kann gut nicken. Ich bin dann dieser Schatten, auf den alles fallen soll und verlangst Hall. Ich bin nichts. Ich – ich rede nur von mir selbst – ja. Ich kann nur von mir reden – ich habe nichts, nur mich. Du darfst auch über dich sprechen – das nennt man Kommunikation. Und wenn es dir schlecht geht, küsse ich deine Stirn. Und wenn du dich langweilst und alles – ach – so schlimm ist – küsse ich deine Stirn. Aber du hast nie geantwortet – mit einem Gedicht. Tu mir den Gefallen.

gefallen

kulturelle differenzen

„Dann komm doch mit mir mit in die Synagoge.“ schlage ich Lars vor, der mir gerade von seiner medizinisch bedingten Beschneidung erzählt. „Das ist die Eintrittskarte – du musst nur die Hose runter lassen und eine Kippa aufsetzen – los geht’s.“ – „In die Synagoge?“ die hübsche kleine BWL Studentin hatte schon eine Weile lang unserem Gespräch gelauscht und mir gelegentlich auf die Hände geklopft, wenn ich in mein Handy blickte, statt ihr zuzuhören. „In die Synagoge?“ fragt sie. „In die jüdische Synagoge?“ – „Nein, in die islamische.“ In ihren betrunkenen Augen ist die Irritation groß. „Echt?“ – Oder dann sitze ich in meiner Kunstklasse und meine Kommilitonin präsentiert stolz ihr Bild. Aus Stöcken hatte sie den Davidstern gelegt und darauf einen toten Raben gebettet. Ich frage sie, warum sie dieses Symbol gewählt hat. „Okkultismus.“ antwortet sie. Das Bild soll eben irgendwie so das Gefühl eines Opferrituals vermitteln. „Aber warum der Davidstern?“ frage ich erneut. „Naja, ich hab das gegoogelt und der ist so schön symmetrisch.“ – Oder damals, als mein Lutheranischer Geschichtslehrer anmerkte, dass Gott niemals seinen eigenen Sohn in die Welt geschickt hätte, wenn seine eigene Religion, also das Judentum, nicht seine Liebe verwirkt hätte. Und mehr als den eigenen Sohn auf die Welt zu schicken – mehr Liebe geht doch nicht. Das wäre dann auch die stringente Argumentationskette dafür, dass der Islam – na was? Nur die Religion des Teufels sein kann. Ich melde mich und teile ihm mit, dass meine Mutter Jüdin ist und mein Vater Moslem. Solch eine Verbindung verwirrt ihn – er ist ruhig.

kulturelle differenzen

(ich suche noch)

Die Zeit ist rar für Freiheit – oder auch, um nur so zu tun. Die Zeit ist rar für Einheit – Dinge wollen – alles einverleiben. Ich. Sie werden nicht müde, zu erklären, dass der Narziss an sich selbst ertrunken ist. Wenn jedes Begegnen ein Sich-Entblättern ist, frage ich mich, wie der Weg zur Einheit je beschritten werden kann. Gedanken an einen noch lebenden Dichter. „Sie ist immer so ruhig, dass man sie kaum sieht.“ sagt M. Gedanken an mich. Oder ein sich Bedanken, für all die Worte, die man nicht sagen muss. Eigentlich suche ich doch nur nach dem Menschen, für den es keinen Grund gibt, Worte auszusprechen. Du bist so still, dass man dich vergisst. So still und wild und radikal. Und während ich aus dem Fenster schaue, sind die Paare beim Frühstücken ganz still – ergeben ihrer Paarlichkeit. Ich sitze wieder in meinem Café und M. will wissen, was es Neues gibt – es muss doch etwas Neues geben. Er will wissen, was sich an mir verändert hat – meine Haare. „Ich habe zwei Kilo abgenommen.“ das lächelt er freundlich davon. Es sind meine Haare und dass ich ein Mensch bin, der nicht älter wird – der immer gleich bleibt in seinem optischen Gefälle. Der immer gleich bleibt in meinem optischen Gefallen und der Tatsache, langsam in sich zu verschwinden. Wir sprechen über Einheit – oder wollen sprechen – manchmal weiß ich nicht, ob das noch Sprache ist, wenn ich Worte in den Mund nehme wie Einheit und sie doch zu keinem Klang kommen. Ich meine, wenn man Begriffe in den Mund nimmt, so als das was sie sind – totale Einheit z.B. mit einem Anderen – oder Welt – oder Ich. Dann bin ich lieber ruhig, bevor du über mich lachst. „Aber irgendwas ist anders an dir.“ M. bleibt da hartnäckig – ich präsentiere dich mir als Ganzes, beharrlich ausgezogen, abgezogen und jedes Wort im Mund herum gedreht – Einheit. Aber es kann gar nicht genug ungeheure Tiefen geben – und ich habe noch nie ein solch fragiles Herz gesehen – so in den Händen gehalten, so in den Händen und Gedanken gehalten und repetiert und die schönste Bewegung ist die Bewegung um sich selbst. Und M. sagt, ich wäre eine schöne Frau, ich müsste nur … usw. – still sein.

(ich suche noch)

verstetigung

Er sitzt in der Bar und wartet. Das machen die Frauen mit Absicht – aber das ist okay – das gehört dazu. Jeder sollte eine Liebelei in Wien haben – hatte sie vor kurzem noch getwittert. Oder ein Geständnis – jeder sollte ein Geständnis in Wien haben. Das Handy jetzt nicht in die Tasche zu stecken, wäre ehrlicher. Aber er schiebt es in die Hosentasche. „Du findest meine Gedichte entweder extrem gut oder extrem schlecht – sonst würdest du etwas dazu sagen.“ sie kommt gleich auf den Punkt. Das gefällt mir. Er hatte sich mit dem Rücken zur Tür gesetzt. Ich weiß nicht, wie lange sie an der Tür gewartet haben muss, bis sie sich zusammenriss und unvermittelt neben ihm stand – zuerst sah er nur ihre Haarspitzen auf den zusammengefalteten Armen vor der Brust, bis er den Blick langsam auf das Gesicht hob, um zum wiederholten Male festzustellen, dass Frauen wirklich gute Verkleidungskünstler sind. Ihr Gesicht war zumindest freundlicher als auf den zahlreichen Bildern, die er ein paar öfter Mal durchgescrollt hatte – netter. Der Rest war auch okay. Er hatte sie sich größer vorgestellt. Ich hatte mir dich wie ein großes Ausholen vorgestellt – oder ein großes Verharren – irgendwas dazwischen. Es lag ihr eine gewisse Enttäuschung auf den Lippen aber sie sagte nichts – legt das Handy auf den Tisch, lächelt verlegen – das Übliche. Übliche Bewegungen zwischen sich vermeintlich Fremden. Vorstellungen. „Was ist los?“ – „Du langweilst mich.“ Da sind vielleicht noch so an die zehn zwanzig Gesichter – die warten darauf, dass ich zu ihnen spreche. Hundert. Alle. Und ihre Haarspitzen liegen noch immer auf den zusammengekniffenen Armen. Man antwortet selbst nicht immer sofort – aber ärgert sich, wenn andere nicht sofort antworten. Ärgert sich oder heult oder hasst sich. Ich bin abhängig von dir – von allen. Ich existiere nicht, wenn du nicht zu mir sprichst. Sie lässt die Arme langsam fallen, hält sich am Weinglas fest, zieht die Lippen zusammen – jede Bewegung gehört mir. Bewegung. Bewegung. Du langweilst mich. „Meine Gedichte sind gut!“ fragt er. Sie zieht die Augenbrauen zusammen – oder vielleicht versucht sie eine Braue hochzuziehen? Es sieht ein wenig lächerlich aus. „Ich habe zuerst gefragt!“ – „Ich will es.“ – „Du schreibst immer über das Gleiche – kleine Narzissmusprotokolle. Das ist ein bisschen – langweilig.“ Ich weiß nicht mehr, an was ich leide. Ich weiß nicht, ob ich mehr an mir selbst oder an der Welt leide – natürlich an mir selbst. Ich kann nur an mir selbst leiden und alles andere ist nur die Auslagerung meines Selbstleid auf irgendwas außer mir – als würde es etwas außerhalb meiner selbst geben. In meiner Phantasie ist jeder ein Narzisst und was bringt es, das zu leugnen – zu leugnen, dass man so gnadenlos an seiner eigenen Innerlichkeit pocht, während man sich alles, Welt und Ich und Du nur so einverleiben will – alles aufsaugen, einverleiben und wirklich – wirklich einfach geliebt werden. Die Frauen am Nebentisch lachen. Ich weiß nicht, ich habe nicht hingeschaut, als sie gegangen ist – aber es sah bestimmt sehr schön aus. Wahrscheinlich hat sie draußen vor der Tür einen enttäuschten Zwinkersmiley geschickt – oder ein Selfie gemacht. Weil ich Narzissten irgendwie charmant finde, aber nicht mit ihnen umgehen kann? Ich habe mich zu sehr daran gewöhnt, dass du mit mir sprichst, als dass ich mich jetzt daran gewöhnen könnte, dass du schweigst. Aber dieses in Cafés sitzen mit dem Rücken zu Tür nervt und wenn einige Zeit verstrichen ist – wenn sie mit ihrer wirklich schlechten Befindlichkeitslyrik draußen vor der Tür – also die Gedichte sind wirklich langweilig und in einer Sprache geschrieben – als könnte man heute noch Dinge schreiben wie Mein Herz blutet. Sie ist mit Sicherheit gegangen. Das Mädchen vorne an der Bar ist hübsch – also schön – je kürzer der Rock umso länger die Beine. Sie lächelt ein bisschen – belächelt vielleicht auch, weil ich schnaufe. „Warum lachst du?“ – „Du bist hier so rein gefallen.“ und passt so gut in diese Ecke – passt so gut, als würdest du immer hier sitzen. Passt so gut. Bist in mich hinein gefallen. Und immer wieder frage ich mich, wie ich hier hin gekommen bin – ich sitze hier nur, subjekte vor mich her. Ich weiß nicht, ich kann nicht zuhören und wer mir nicht zuhört, der hat meine Zärtlichkeit wirklich nicht verdient. Sie lacht. Es ist so diese nette Art von Lachen – diese Art von Lachen, die sagt, sprich weiter. Ich sag dir jedes Wort von den Lippen. Ich kann sagen, was du hören musst – und du merkst es nicht ein mal. Aber so anstrengend ist das doch gar nicht. Also ich – so anstrengend bin ich doch gar nicht – man muss nur gut zuhören. Und jede Bewegung gehört mir. Irgendwann steht dieser Typ neben ihr – sie küssen sich. Sie lächelt noch ein mal – freilich – und geht. Nichtung.

verstetigung

unzulänglichkeiten

Auf ich mag dich weiß ich nichts zu sagen. Weil ich eine Aufschreiberin bin. Ich reite es tot, dieses Pferd der Befindlichkeitsprosa – bis ich meine eigenen Gedanken verstehe. Glück sei, nicht mehr nachdenken zu müssen – aber das halte ich für Quatsch. Ich stelle mir diese Seligkeit wie Stillstand vor und dann muss man sterben. Ich sitze an der Theke und frage mich, ob mir der Barkeeper zuzwinkert oder ob er nur Schlupflider hat und der Typ neben mir liest Coelho. Im Hinterraum feiert so eine kleine Besoffene ihren 18. Geburtstag und sie verteilt Meitaikuchen und auch nach mehrfacher Aufforderung lehne ich diese äußerst nette Geste ab. Der Barkeeper zwinkert – und es gibt diesen Stammgast, der die ganze Zeit von der einer Seite des Raumes zu anderen wankt und dabei jedes Mal meinen Rücken streift. Ich frage mich, ob er sich mit mir in ein Café setzen würde und jeder wäre in sein Buch vertieft – dann könnte er, satt an meinem Rücken, den Oberschenkel streifen bis zum Knie – immer wieder, hoch und runter, bis ich es nicht mehr spüre. Mit den Vorderzähnen reibe ich mir die Unterlippe wund, während mir wieder viele Dinge leid tun. Ich mache in meinem Kopf eine Liste. Ich beginne mit: Es tut mir leid, auf der Welt zu sein. Dann streiche ich das sofort wieder – das ist kindisch. Es tut mir leid, dass ich niemanden trösten kann und auch mich nicht. Und nichts tröstet mich mehr, als Hände vergraben in meinem Kopf und ein Kuss auf die wunde Stelle in der Unterlippe. Und als es mir endlich gelingt, das Zittern meiner Hände auf die Beine zu verlegen, fragt der Coelho-Typ, ob ich nervös sei. Beruhig dich mal. Ist gut. Es ist nur so, dass meine Gedanken die Oberfläche meines Körpers sprengen müssen – verstehst du? Und ich bin nur hier, um mich zu beruhigen. Aber er liest wieder. Ich stelle mir vor, wenn man einen Mann mit Vollbart küsst, müsste das ein ähnliches Gefühl sein, wie eine unrasierte Muschi zu küssen. Männerbärte riechen irgendwie immer nach Kaffee. Auf meiner Liste steht: Es tut mir leid, nicht da zu sein und langsam meldet sich mein Magen – Alkohol ertrage ich auch nicht – nichts ertrage ich. Es tut mir leid, nichts ertragen zu können. Die Preise der Drinks steigen exponentiell mit der Zeit und als ich Kaffee bestellen will, sind die Jungs allesamt zu besoffen, um eine Pressstempelkanne zu bedienen – ich mache es mir selbst. Der Stammgast steht jetzt auf der anderen Seite der Bar und ich weiß, dass er mich anschaut – es tut mir leid, dass ich dich nicht anschauen kann. Ich bin zwischen diesem Gefühl, unbedingt deine Zärtlichkeit zu wollen und dich schnell auszulöschen, weil mir alles in dir viel zu nahe ist. Als der Stammgast zum wiederholten Male meinen Rücken streift, frage ich ihn, ob es nicht einfacher wäre, mich anzusprechen – er schaut irritiert. Weil mir dieser Ausbruch totaler Selbstgerechtigkeit peinlich ist, verlasse ich die Bar, nicht ohne eine Rolle Toilettenpapier mitgehen zulassen – es ist mir Zuhause ausgegangen.

unzulänglichkeiten

euphemismen

Ich liege lang in deinen Arme. Dein Schwanz pocht gegen meinen Arsch – aber dein Atem geht ganz ruhig – du schläfst. Ich weiß, mein Schlaf endet früh auf leisen Schritten durch die Tür – das beruhigt mich. Ich bin eine Episode – eine Phase – ein Impuls – also diese Stimmungen in mir. Und du. Du sagst, ich würde besser aussehen ohne die schwarze Kriegsbemalung auf den Lidkanten. Ich wäre hübsch. Ich denke, irgendwann wirst du dieses Kompliment zurück nehmen – ganz bald. Aber ich sage: Ich weiß. Ich denke, du musst es zurück nehmen – das ist diese narzisstische Kränkung – ich kenne das aus der Literatur. Da schreiben Männer und Frauen von ihren Kränkungen. Ich wünschte, du hättest mir vorgelesen – auf meinem Körper kann man gut lesen. Ich wünschte, du hättest mehr sagen müssen als: Du bist hübsch. Ich gehe mir einen festen Händedruck, ein Mal feste Arme um meine Schulter geschwungen – ein Mal das Gefühl, nie wieder los gelassen zu werden mit Arsch gegen Schwanz kaufen. Im Zweifelsfall kann ich gut bezahlen, ich muss mich nur neben mich selbst setzen und die Augen zudrücken – und je schneller wir uns bewegen, um so schneller kann ich vergessen, dass du keinen Augenblick verschwendet hast, nichts gelesen hast auf mir, mir nichts gelesen hast. Ich kaufe dir trotzdem alles von den Lippen ab. Aber es ist sehr wertlos. Also ich. Und du. Morgen lässt dich mein Hübsch wieder kalt. Also jetzt mit halbtoten Armen um mich geschlungen und ganz ruhigem Atem. Morgen ist mein Hübsch wieder egal, hübsch einsortiert ins Regal – eingefallen nachts und verkauft gegen jetzt tote Arme und langsam drehst du dich im Schlaf. Es sind die Gedanken einer Frau, die in fremden Wohnungen nicht schlafen kann. Du bist eine Episode – eine Phase – ein Impuls. Also ich. Ich warte darauf, dass es vorbei geht – vorbei zieht – egal wird. Das Gefühl, egal zu sein. Ich warte auf dieses Gefühl, dass es mir egal ist. Ich warte auf dieses Gefühl, kein Gefühl zu haben – für keinen Menschen mehr – und Arme, feste Arme. Und hübsch zu sein. Langsam lässt du los – erschlaffst im Schlaf – ich frage mich, wie viel Gefühl in diesen Zwischenraum passt, während du dich langsam wegbewegst – mit dieser Gelassenheit und still. Ich dachte immer, Stille teilen – das wäre das Beste, was mir widerfahren könnte. Ich denke, die Komplimente – dass sind so Momentaufnahmen – Schnappschüsse – kleine Gefälligkeiten, die man sich gegenseitig antut. Die passen recht gut in diesen Zwischenraum, wenn man sie noch ein wenig dehnt. Die passen recht gut und in meine Fugen, wenn ich mich kriegsbemale und Ausschau halte nach einer Episode – einer Phase – einem Impuls. Also mir. Wer schläft, der liebt nicht.

euphemismen

libido

Ich muss auf die nächste Vernissage mit DJ – es ist wichtig, dass man mich irgendwo in der Ecke erspäht, wo ich sachte zum Takt wippe mit meinem Kopf gegen die Wand. Mich stört der Krach nicht beim Betrachten der Kunst – oder bei der ausführlichen Verwendung sogenannter Fremdworte. Ich kann auch meine eigenen kleinen und lächerlichen Befindlichkeiten in Worte bringen und mich Schriftsteller nennen. Ich glaubte vor Jahren, es müsste Dinge mit Bedeutung geben. Zeilen oder so. Aber wir sagen so viel – wir reden so viel einfach nur so, um die eigene Stimme zu hören – um wüst zu sein und lauter. Ich schlage meinen Kopf in die Wand und denke über Masturbation nach – sich einen runter holen ist nicht weiblich – es ist nicht weiblich, Lust an sich selbst zu empfinden – wir sollen uns möglichst nur im Anderen lieben. cc. die Männer. Ich darf also nicht meine Hand in meiner Scham begraben und dabei an dich denken. Es dauert ja nur ein paar Sekunden – meine Libido ist da ganz eindeutig. Ich muss mich nicht mal berühren – ein zwei Gedanken in die richtige Richtung. Ich lasse den Blick durch den Raum gleiten – die hübschen kleinen Künstler und ihre Befindlichkeiten, ihre hübschen kleinen Befindlichkeiten, ihre kleinen Verletzlichkeiten haben sie in Form gegossen und ausgestellt und schreien leise vor sich hin. Ich versuche, heraus zu finden, wer am meisten leidet – das turnt mich an. Ich bin zynisch – auf Vernissagen mit DJ. Sorry. Ich mein, es fällt mir nicht leicht, mich selbst ernst genug zu nehmen, hier in der Ecke mit Kopf gegen die Wand und Libido. Und Künstler sind so ganz liebenswerte Geschöpfe zwischen radikalem Narzissmus und lieblicher Selbstauflösung. Ich will dich streicheln. In der S-Bahn sitzen zwei Engländer neben mir und plötzlich spring der eine auf und sagt nur: „I need action.“ läuft den langen Gang entlang und setzt sich neben irgendeine Frau – die erste, die zweite: „Are you having fun?“ es funktioniert. Der andere starrt in sein Smartphone. Heute ist so ein Tag, da passt mein Kopf ganz gut in die Wand – ich könnte darin untergehen. Die ganzen vielen Individuen … „Du wärst wirklich schön, wenn du nicht so viel denken würdest.“ Du wärst wirklich, ohne Libido im Kopf. Die Individuen – in meiner Traumvorstellung bin ich es zumindest wert, gehasst zu werden. Ich kann so schön Dinge in mich rammen – Worte, Zeilen – Bedeutung. Ich kann so schön ja sagen, zu allem was mir fehlt – mit dem Kopf in der Wand. Ich kann so schön in der Ecke stehen und alles verurteilend mich in Selbstmitleid auflösen. Ich kann so schön Nichts sein und dann ist es okay, dass du mich nicht mal hasst. Dass du an mir vorbei ziehst wie langer Regen. Ich kann dann nachts im Bett liegen und masturbieren und flennen.

libido