Totalitärer Feminismus

Feminismus_Sarah Berger

I masturbate on your tears. Totalitärer Feminismus will eat you alive. Bye.

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My self-summary

My self-summary
Favorite thing about the place I live
Me, a Haiku
Most people that know me would say I’m
Favorite memory from my childhood
Things I am not
Mostly I think, it doesn’t matter, if I’m really doing something or just writing about it.
What I’m doing with my life
Current goal
One day, I would like to
I’d like to be known for my
If money were no concern, this is what I would be doing
My dream job is
Author & Photographer
I’m really good at
I like to make
I could probably beat you at
My patronus
I want to be better at
My worst quality
be skeptical
The first thing people notice about me
My style can be described as
I love this about myself
My go-to dance
My golden rule
My weirdest quirk
very dark voice, supe nervous, clumsy, talking too much stuid things, absent
Favorite books, movies, shows, music, and food
My favorite bands in high school
The tastiest thing I’ve ever consumed
A book everyone should read
These are my teams
A movie I’ve watched over and over and over again
Kafka, Mayröcker, Benn, Pessoa

Radiohead, The Cure, Sonic Youth, Tocotronic

Stalker, Clockwork Orange, Eternity and a day

Lasagne, Icecream, Coffee with 42er

Six things I could never do without
If I could only eat one food for the rest of time it would be
This item makes me feel at home
My partner should be
I couldn’t function without these apps
I value
coffee, books, gin
I spend a lot of time thinking about
I like to take pictures of
My favorite conspiracy theory
Last video I watched on YouTube
The last show I binged
I should spend less time
WHY & WTF
On a typical Friday night I am
A perfect day
Best day of my life so far
Ideal weekend routine
When I die, I will
On a typical Wednesday I am
mostly dying inside
The most private thing I’m willing to admit
The last time I was embarrassed
This is the saddest song ever written
My biggest regret
My relationship with my mother
If I were sent to jail, I’d be arrested for
Most of the time I’m feeiling disconnected
You should message me if
What I’m actually looking for
Before I go on a date with someone I need to know that
I will never date someone that
My worst date
For our first date, let’s
you are open for something more than ONS and can deal with an independent woman who hates being invited to dinner or drinks or whatever, really wanted to pay for myself.
My self-summary

Fluide (Auszug)

Gleich wird sie mich rufen. „Emma! Emma, kommst du!“ wird sie rufen. Am Fuß der Treppe hatten sich unter den gut fünfzehn Paar Schuhen zarte braune Pfützen gebildet. Vielleicht waren sie auch schon zu einer großen Pfütze verschmolzen. Sind die Kacheln an dieser Stelle schüßig, frage ich mich dann. Oder liegt es an dieser besonderen Anziehungskraft, die Wassermoleküle für einander empfinden, dass sie sich immer suchen, zusammenfinden, zusammenfließen. Es ist grundsätzlich schwer, Flüssigkeiten zu trennen. Mit dem Mund geht es, wenn man einfach die Lippen schließt. „Emma! Emma, kommst du!“ wird sie rufen. Ich werde noch ein paar Minuten lang versuchen, ihr Rufen nicht zu hören. Stattdessen starre ich in den Garten, auf den Wallnussbaum – er ist nur marginal größer geworden, vielleicht hatten sie ihn in den letzten Jahren immer wieder geschnitten. Ich erinnere mich daran, dass er hätte gefällt werden müssen, da seine Wurzeln bis zum Fundament des Hauses vorgedrungen waren. Dabei war der Baum ja schon vor uns da. Vielleicht sogar schon vor dem Haus. Dann empfinde ich wieder diesen Ärger von damals. Immer sollen die Dinge weichen, die uns umgeben, ausweichen sollen sie uns, dabei bewegen wir uns wie freie Radikale, also unkontrolliert, unberechenbar und verlangen im Gegenzug, dass alles andere unseren störrischen Bewegungen weicht. „Emma! Emma, kommst du!“ wird sie rufen. Ich würde irgendwann doch nachgeben müssen. Am Fuß der Treppe würde sie mich erwarten. Sie würde im Türrahmen stehen zwischen Eingangsbereich und Küche. Wortlos würde sie mir den Schrubber entgegenstrecken. Mit dem Mund geht es, wenn man einfach die Lippen schließt. Oder eben mit dem Schrubber, wenn ich den versüfften Lappen mit leichtem Druck mehrmals über die weißen Kacheln schiebe. Hauptsache keiner der Gäste bekommt die bräunliche Pfütze zu Gesicht. Warum zwingst du sie auch, sich die Schuhe auszuziehen, würde ich fragen, während sie kontrollierend im Türrahmen verharrt. Dann würde sie laut ausatmen. Wegnistens heute, würde sie mir entgegnen. Dabei würde sie versuchen, streng zu klingen aber sie war noch niemals besonders gut darin, das Flehen in ihrer Stimme zu verbergen. Da war immer so eine Not, sobald sie das Wort ergriff. Ein sanftes Unwohlsein. Wenigstens heute könntest du das lassen, würde sie mich anflehen. Aber es nützt nichts. Ich falle darauf nicht mehr rein.

Fluide (Auszug)

Ein Soziopath ist ein

Als du mich geschrieben hast, wie hat es sich angefühlt, jedes Wort für sich meine ich, das Sezieren meiner Sprache, meines Sprechens, wie hat es sich an ge fühlt, als wir, erinnerst du dich, unsere Hände hielten im Schlaf ohne uns zu berühren, wohl, das habe ich jetzt ver-standen; im Stegreif ich zu sein, wie hat es sich angefühlt, mich zu öffnen, den Ver-schluss – uns bleibt ja immer noch Prag hast du gesagt oder eine andere Stadt mit P, uns, habe ich gesagt, was ist das, habe ich gefragt, erinnerst du dich, wie hat es sich angefühlt, nichts zu sein, nicht ich zu sein, nicht zu sein und all diese anderen Dinge, die noch so m i t s c h w i n g e n, ja, du hast mich schon richtig verstanden, ich weiß, das nächste du steht schon im Anschlag, sie sind ja auch nicht schwer zu finden, sie laufen ja gerade so auf der Straße einem über die Beine, also vor die Füße, vor die Flinte, vor die Linse und KLICK und gut ja, dann sitzt du eben in meinem Rücken, also auf dem Lesesessel neben meinem Schreibtisch und klickst Dinge in dein Smartphone, Worte auch, Sprache, also Sprechen, meine Worte meine Fiktion, hörst du, ein Soziopath ist ein Mensch, der ein völliges Fehlen von Empathie mit einem tiefgehenden Anspruchsdenken verbindet, er fühlt keinen Schmerz außer dem eigenen, also meinen, also deinen Schmerz in diesem Wirrwarr, du ich wir, hast du das gesagt oder ich oder du und ich, da ist immer eine Konjunktion zwischen uns, schon wieder alles so nah, so nah an der Sprache, an den Worten, unaussprechlich, du oder ich oder wir, also nicht ausgesprochen, nicht buchstabiert oder wenigstens Wort für Wort, also gestillt, nicht befriedigt, gewogen in Stille, aufgewogen die Worte, verbannt in Sprache dieses Gefühl, du in meinem Rücken auf dem Sessel neben meinem Schreibtisch blätterst in den alten Ausgaben der Philosophischen Rundschau, suchst verzweifelt nach meinem Namen darin, suchst überhaupt nur nach Namen, jaja, ich verstehe schon, einen Namen hat man nur, weil andere in rufen, suchst also nicht nach mir, hast du jemals gesucht, etwas gesucht in unseren Worten, im Auseinandersprechen der Phoneme, im Auseinanderbrechen. Einsam rollt eine Traube durch die S-Bahn.

Ein Soziopath ist ein

Überschriebene Zärtlichkeit

Schau sie dir an, bloß ein Gegenstand, den du in die Hand nehmen kannst, von der einen zur anderen Sekunde verwandelt sie sich, manchmal ist sie ein Stein, manchmal eine Vase, manchmal ein laut schriller Wecker, der an die Wand geschlagen in viele einzelne, metallische Teile zerspringt, zerreißt, auf den Boden verteilt liegt sie da, du stolperst über sie, in deine nackten Füße bohrt sie sich, silbern klirrende Schraube, sie ist das Blut unter deinen Füße, im langsamen Sich-Verteilen, zwischen die Ritzen des alten Holzfußbodens zerfließend, sich in die Struktur des Materials imprägnieren, eiserner Geschmack, der Geruch von Dornen, ein Laut an Dürre – war da etwas, du schaust dich um. Sie ist verschwunden.

Überschriebene Zärtlichkeit

Allein gehe ich

Allein gehe ich ins Kino, ohne ein Ticket gekauft zu haben. Auf den nächsten Film muss ich zwei Stunden warten – daher setze ich mich ins Fenster des Kinos und beobachte Passanten. Der französische Film aus den 40ern erzählt die Geschichte von Christine, gefangen in ihren Erinnerungen an eine längst vergangene Liebe und dem Möglichkeitsraum aller falschen Entscheidungen. Während ich versuche, der Handlung des Films zu folgen, schweifen meine Gedanken ab, mein Kopf bleibt mehr bei mir, als Christine in die Vergänglichkeit des Augenblicks zu folgen. Ich starre zwar auf die Leinwand, vor meinem inneren Augen jedoch läuft ein anderer Film und von mir weitestgehend unbemerkt fließen Tränen meine Wange hinab.

Wie zu erwarten sitzt ein hübscher Mann zwei Sitze weiter und bemerkt meine Traurigkeit. Ohne eine Frage zu stellen, sucht er in seinem Beutel nach Taschentüchern und reicht mir eines. Das ist nett. Vielleicht. Als der Film vorbei ist, fragt er, ob alles okay sei. Ich nicke. Er fragt, ob mir der Film gefallen habe. Ich muss zugeben, dass ich der Handlung kaum folgen konnte. Dann fragt er, ob wir an der Kinobar noch … und so weiter jajaja, wir trinken Kaffee, also ich Kaffee, er ein Bier, es ist natürlich okay für mich aber etwas irritiert mich, erst als wir im hellen Scheinwerferlicht der Kinobar stehen, fällt mir auf, dass sein Gesicht kaum Farbe hat, nein, es ist sehr bleich und seine Kleider, nun zwar verfügen sie über zahlreiche Schattierungen aber letztlich sind sie grau bis schwarz. Ich frage ihn, ob das nur mein Eindruck ist oder … aber er winkt direkt ab, schnappt sich meine Hand und zieht mich rennend aus dem Kino; SIEHST DU DAS, schreit er und zeigt mit seinem linken Zeigefinger über den Eingang des Kinos. Da steht in großen Lettern Ein Fenster in Sarahs Herzen. Ich schaue an meinem Körper herab und da ist tatsächlich ein Fenster auf der Höhe meiner Brust, welche gängig als die Stelle beschrieben wird, unter welcher das Herz angesiedelt ist, also unter dem Brustbogen, unter den Knochen und zwischen den Lungenflügeln, pulsierend, ein Fenster, ja und es steht sogar offen aber da es mir schwerfällt, in dieser Perspektive mit dem eigenen Kopf in die eigene Brust zu schauen, bitte ich den netten Mann mit dem Taschentuch, einen Blick hineinzuwerfen und mir mitzuteilen, was ihn dort erwartet aber er schüttelt vehement den Kopf – schau doch, sagt er, es ist verschlossen, siehst du das nicht? Nein nein, ich sehe doch ganz genau, dass es offen ist, versichere ich ihm, ich kann doch den Rahmen des Fensters sehen und die Klinke, die wundersamerweise im Inneren liegt; daher wundert es mich, dass es überhaupt so weit offen steht. Meine Neugierde ist so groß, dass ich den netten Taschentuchmann einfach stehen lasse, um im Kino den Waschraum aufzusuchen. Kurz hinter dem Eingang werde ich von einem Kinomitarbeit aufgehalten; ich müsse mir zuerst ein Ticket kaufen. Hier schauen Sie, sage ich und zeige ihm meine Karte, ich war schon drin. Nein nein, sagt er, das Datum auf dem Ticket sei gestern, das zähle nicht, die nächste Vorstellung sei in zwei Stunden, dann könne ich rein. Na gut, sage ich und setze mich zum Warten ins Fenster, beobachte Passanten.

Allein gehe ich