Sein Zimmer für mich allein

„Dann wache ich in dieser fremden Wohnung auf und das Erste, was ich tue, ist, die Bücher aus dem Regal zu ziehen, nicht weil mich die Bücher interessieren, sondern weil ich wissen will, was der Typ dahinter versteckt. „Ich stehe nicht so auf One-Night-Stands“, hat er gesagt und „Schon okay, bleib.“ Auf dem Küchentisch, der zugleich Schreib- und Esstisch ist, liegt freundlich drapiert ein Handtuch – es ist frisch, ich habe daran gerochen –, daneben stehen die French Press und die Kaffeedose. „Du kannst meine Zahnbürste benutzen, wenn dir das nicht unangenehm ist, aber wir haben uns ja auch geküsst“, hat er gesagt. Drängend strömt der Geruch von abgestandenem Sex aus dem Schlafzimmer, Reste abgetragener Hautpartikel … Riecht es so oder ich? Ist das mein Geruch? Sie ähneln sich sehr, die Gerüche, egal wo ich aufwache. Ich lehne am französischen Balkon. Wer gießt die Pflanzen, wenn er verreist ist? Die Asche meiner Zigarette landet die neun oder zehn Stockwerke tiefer – ich stelle mir das Ganze als Kamerafahrt vor und vielleicht mit Musik.“

Auszug aus: Sarah Berger: Sein Zimmer für mich allein (Shortstory, erhältlich im FROHMANN Verlag)

Zimmer4

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Sein Zimmer für mich allein

In den Museen liegen Trümmer von dir

Wir lagen also im Unkraut auf dem Rücken und die Sonne ging gerade besonders orangefarben unter, besonders klar war das Licht und ich sagte, es sei doch seltsam, dass wir „ich sehe dich“ sagen, wenn wir zum Ausdruck bringen wollen, dass wir die Anderen ganz und gar wahrnehmen, also dass wir zumindest davon überzeugt sind, dabei ist das Sehen von allen Sinnen derjenige, der die meiste Distanz lässt. Der Wind zog gerade so über deinen Körper, ist es dir auch aufgefallen, dass ich einen Schatten von Mohn spürte, als würde dieser leichte Wind gerade zu durch ein Feld wehen aber orangener Mohn oder gelber, nicht roter schaukelt zart durch meine Sinne, direkt in meinen Kopf schaukelte es – hier hätte ich nach deiner Hand greifen sollen oder zumindest hätte ich dich fragen können, ob ich danach greifen darf, wo doch schon die für den Augenblick der Begegnung zusammengeschlossenen Fahrräder wirkten wie ein Versprecher oder eine Drohung. Ich fragte dich, warum du dich von Formaten einschränken lässt, 30×45 oder 60×90, ich schaue mir einfach das Bild an und schneide mir das Format zurecht, von welchem das Bild spricht aber du hast eine ganz andere Sprache, du siehst ein anderes Gesicht, wenn du durch die Kamera blickst, alles sieht ganz anders aus für dich als für mich.

Ich esse Nektarinen wie ich Aschenbecher anstarre zwischen Faszination und Ekel aber ich bin Teil dieses Mensch-Seins, erzähle ich dir und du lachst. Ja, ich habe mich in den Worten vergriffen und den Faden verloren, immer wieder also reden wir über einige meiner letzten Dates, ein paar von den Kriegsgeschichten hatte ich mitgebracht, dass ich mir niemals meine Finger in ein Stück Obst gerieben habe als währe es meine zwei Schamlippen, mein Kitzler und du wundertest dich: das seien die Deutschen Bezeichnungen für das weibliche Geschlechtsorgan … ich nickte, ich sagte, es gibt keinen positiven, keinen schönen Ausdruck für meine Freiheit. Ich habe mich nie davor geziert, mich selbst zu berühren. Ob du dich einfach auf die Couch gegenüber setzen könntest, mir entgegen, hatte ich dich gefragt, ob du dir einfach einen runter holen kannst, während du mir beim Masturbieren zuschaust. Ich wollte einfach nur alles sehen. Wir saßen dann eine Weile so da, betrachteten uns.

Das Alleinsein heute wie ein schlechter Geschmack im Mund beim Erwachen; ob ich eine Person sei, die man vermisse, hattest du gefragt oder wolltest es vielleicht und ich hatte diesen albernen Reflex im Mund, mich an mir zu verschlucken. Dann beginnt wieder das Zucken durch meinen ganzen Körper und ich frage mich, ob ich mich erkennen würde in einer dieser Geschichten, die vergangene Liebhaber über mich erzählen, würde mir ein Fremder eine dieser Geschichten erzählen.

In den Museen liegen Trümmer von dir

Etwas, das Julia heißt

Wenn ich mich nicht mit Fernsehserien ausknocke, dann mit Drogen und Julia lacht ein wenig, während sie die Worte eintippt, aber nur im Kopf – es ist kein lautes Lachen, keines welches die Schwelle der Lippen überschreitet und im Rachenraum Resonanz erfährt, sondern nur der Gedanke an ein Lachen, der Gedanke daran, dass ihre Worte amüsant waren, frech, witzig, dass er vielleicht lachen würde, wenn sie ihm schrieb, dass sie heute Morgen um 11 den ersten Joint geraucht hatte und ihm nur deshalb überhaupt jetzt schreiben könne, dass sie ihm nur schreiben könne, weil sie noch high war und sie hoffte sehr, er würde lachen oder lächeln, vielleicht auch einfach aus Freude, lächeln aus Freude darüber, dass sie ihm geschrieben hatte.

Heute genau ist es eine Woche her. Und ich weiß einfach nicht, was normal ist – ich habe den normalen Verlauf der Zeit vergessen, tippt sie weiter in das Chatfenster, oder vielleicht habe ich auch nur die Reihenfolge vergessen, die Abfolge der Dinge oder Ereignisse – ich weiß vielleicht einfach nicht mehr, was die richtige Reihenfolge ist, welche Parameter ich in diesem Spiel, oder Moment – ich will es nicht Spiel nennen, sagen wir: Begegnung; also welche Parameter ich bei dieser Begegnung einzuhalten habe, wer ich sein soll zwischen uns, in uns, oder eben als uns. Hier hält sie inne. Ihr normaler Impuls war, solch eine Aussage mit einem Verstehst du mich? zu versehen. Oder eher einem Verstehst du das? oder noch besser Verstehst du Punkt – ohne Fragezeichen. Aber für eine Sekunde lang begriff sie, dass das albern war, dass diese Frage oder Aussage viel zu simpel ist für all das, was dem vorangegangen war und dass diese Frage oder Aussage ganz zum Schluss nur darin eine Funktion fand, alles Vorangegangene gänzlich in Frage zu stellen, sie sollte eine gewisse Sicherheit bringen, die Sicherheit, nicht ganz wahnsinnig zu sein oder sich in diesem sanften Wahnsinn wie hinter einem Schutzwall verstecken zu können. Also verzichtete sie auf diese Frage.

Dann dachte sie an die Fernsehserien und dass viel zu wenige davon produziert wurden und dass die Produktion insgesamt viel zu langsam voranging, wenn Julia zumeist bis zu einem Jahr warten musste, bis eine neue Staffel ausgestrahlt werden konnte und dass das Leben so eben nicht funktioniere, jenes wartet nicht ein Jahr, bis es endlich weiter gehen konnte und was machen die ganzen Figuren in dieser entsetzlich langen Zeit, was erleben sie, welche Probleme und Erfahrungen treiben sie um – ich will das doch wissen, ich muss es wissen, ich bin doch jetzt ein Teil davon, ich gehöre dazu, das sind meine Freunde, meine Familie, meine Leiden, meine Erfahrungen, meine Sprache, mein Denken, mein Leben. Das ist mein Leben. Das kann nicht ein ganzes Jahr auf die nächste Staffel warten.

Und ich weiß doch auch nicht, warum mir das schon wieder so viel bedeutet, obwohl kaum etwas passiert ist – wir haben uns ja nur ineinander verschlungen und du hast ein paar mal meinen Hals gewürgt, bevor du ihn geküsst hast und wir haben unsere Körper so fest gedrückt, dass es den Anschein hatte, wir würden jeweils im Anderen verschwinden wollen. Mehr war da nicht. Und wir haben ja letztlich beide auch wieder losgelassen. Verstehst du. Und loslassen bedeutet, dass es vorbei ist. Fin. Mein Körper ist zurückgeschnellt in seine Ausgangsposition, auch wenn du dir viel Mühe gegeben hast, ihn zu entrücken, mit deinem ganzen Körper hast du dagegen gehalten, auch wenn sich das ganz leicht angefühlt hat, wenn es leicht war, mich auszuweichen, wenn sich alle meine Poren geöffnet haben, auch wenn es einfach war, uns zu vermischen – so bin ich jetzt doch ganz geblieben, letztlich, so bin ich jetzt doch hier und du dort und die einzige Verbindung ist die Nachricht, die ich gerade in das Chatfenster tippe mit der Frage, warum du dazu nichts zu sagen hast.

Aber Julia schrieb das alles nicht auf. Sie verzichtete auch auf das Verstehst du und auf den Punkt. Das reicht, dachte sie. Das ist genug von mir. Es reicht ja, wenn er lächelt, z.B. wenn er jetzt nur eben meinen Namen über den Display huschen sieht. Ein zartes Lächeln würde mir genügen, so dieser Moment: Schön, dass sie da ist. Aber Julia schüttelte den Kopf. Ich wollte ja niemals die Frau von irgendwem sein. Ich wollte immer Ich sein und manchmal spüre ich mich mehr, wenn da noch ein Anderer ist, einer, der sich so dagegen lehnt, hinein lehnt und die Grenzen absucht, die Wände absucht, kontrolliert, wo die Widerstände sind. Dann spüre ich mich mehr. Dann realisiere ich plötzlich, dass ich ja da bin – dass es mich wirklich gibt, dass da etwas ist, etwas das Raum einnimmt, das Sauerstoff verdrängt, um das man Möbel platzieren kann, Bücher und eine Wohnung, um das man ein Leben anordnen kann. Dann atme ich einmal tief durch. Also etwas, das Julia heißt.

Etwas, das Julia heißt

Performatives Sein

Teil 1
Ich war schon lange nicht mehr am Meer. Ich bin eher am Fluss. Ich werfe die Füße ins Wasser und vermisse Menschen.

Teil 2

Hier ist meine Haut — sie ist angeblich die Grenze zwischen mir und der Welt. Es ist leicht, diese Grenze zu sprengen. Ich kann ein Messer nehmen und rein schneiden — das ist einfach. Aber dannkommt nur Blut heraus — und es ist keine Welt, die hinein kommt.

Ich verstehe das einfach nicht. Ich verstehe nicht, wie man in ganz tiefer Verbundenheit — verstehen Sie das? Es ist ja schon fast eine Einheit! Ich verstehe nicht, wie man in dieser tiefen Einheit zu einem anderen Menschen auf die Welt kommen kann, um dann isoliert zu sein. Entschuldigen Sie,
aber das verstehe ich nicht. Können Sie mir das erklären? Nein? Wollen Sie nicht? Sie wissen es selbst nicht!

Ich habe mir Ihnen zu liebe auf die Lippe gebissen und in die Finger — hier: Ich blute.

ICH BLUTE!

Das muss dich doch berühren. Wieso berührt dich das nicht. Wieso rührst du dich nicht?

Teil 3

Ich glaube, ich bin verliebt. Ich habe mich in deine Vergangenheit verliebt als Sartre schrieb: Es gibt nur leben oder erzählen. Leck meine Gedanken ab und gegen deine Mauer. Ich möchte sehr selbstbestimmt und feministisch gegen die Wand gedrückt werden.

DU IST EINE MAUER, DIE ICH NIE DURCHDRINGEN WIRD.

Ich meine, ist Ich jetzt ein Begriff, eine Vorstellung oder eine Handlung.

Alles beginnt damit, dass ich vorbei gehe. Die Haut perlt langsam von mir ab — so stelle ich mir ihre Berührung mit dem Wasser vor. Es kann nur ein Kampf sein. Jeder Tropfen nimmt ein Stück von ihr mit und wenn ich nur lange genug unter der Dusche bleibe, bin ich endlich verschwunden. Nur die
ganzen Dinge, die sind dann noch da. Die ganzen Dinge können dann meine Geschichte erzählen, wie dieses viel zu heiße Duschen hier. Ich könnte jetzt behaupten, ich dusche nur so heiß, um endlich etwas zu spüren: Wärme. Um Wärme zu spüren und meinen Körper und meine Hautpartikel, die langsam anfangen zu brennen. Weil das romantisch ist. Weil es ein sehr romantisches Bild ist, Frauen die unter der Dusche brennen. Weil das bedeutet, dass etwas passiert — in mir. Duschszenen sind dafür vorgesehen, den Protagonisten zu einem inneren Monolog anzuregen, seine Entwicklung zu reflektieren oder den Status quo — wo er/sie/es gerade steht. Ich stehe unter der Dusche und ich will verschwinden und das Wasser ist sehr heiß und ich spüre meinen Körper.

Teil 4

Ich bin noch da! Ich bin noch da, ich bin noch da, ich bin noch da. ICH BIN DA.

Es muss etwas passieren.
07:07 Uhr: Körperlicher Zerfall setzt ein. Ich bekomme den Geschmack nicht von den Lippen. Ich habe keinen Durst. Ich habe keinen Hunger.

Die Nacht zur Nacht machen. Dann schlägt der Körper mit voller Wucht auf mich ein — ich bin wieder da. Alles ist wieder da. Dieses ganze Ich ist wieder da. Dann merke ich erst, wie berauscht ich von diesem Moment war. Als da noch kein Ich war. Als da nur Gegenwart war und Gegenwart bedeutet: kein Ich. Wer sagt: Wir sind der Normalzustand — der Mensch in seiner Reinheit — das wissen wir nicht. Wir wissen nichts.

Ist Weiblichkeit jetzt eine Fessel, ein Korsette, eine Strafe? Meine Muschi, meine Strafe! Sie will andere Dinge als ich. Sie will dich partout nicht los lassen. Und meine Lippen, meine Lippen, meineLippen wollen dich nicht loslassen.

Ich pflege lange Sprachlosigkeit — sind zwei zu viel oder brauche ich dich, um ich zu sein  — ich will schon wieder Liebeslieder schreien aber du sagt, ich könne nicht lieben. Du sagst, ich sei arrogant, weil ich so viel mehr liebe, als alle anderen. Vielleicht kann ja keiner lieben. Verstehst du denn meine Liebe nicht? Ich brauche jemanden, jemanden um mich zu ersetzen. Um hier Draußen zu liegen, hier Draußen zu liegen bedeckt mit Blättern. Wenn ihr sie seht, lasst sie wissen, dass ich es geschafft habe. Ich habe es geschafft. Wenn ihr sie gefangen habt, sagt ihr, dass ich hier bin. Wir sitzen hier und fragen uns, ob dein, dein, dein spezielles Licht glüht. Ich brauche jemanden, jemanden um mich zu ersetzen. Um hier zu bleiben, hier zu bleiben und zu brennen in diesen Flammen. Und wenn ihr sie seht, lasst sie wissen, dass ich es geschafft habe. Ich habe es geschafft. Und wenn ihr sie gefangen habt, sagt
ihr, dass ich hier bin. Ich bin hier.

Aber was mir niemand verraten hat:
Das Licht, das Licht, das Licht verheimlicht das Sterben vor dem Leben.

Performatives Sein

Unsere Liebe sind Sammlungen Screenshots

»Ich will deine Muse sein.«
»Screenshot!«

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 14.27.36Dadurch entstehen seltsame Bilder – z.B. durch Glas oder durch ein Prisma. Ich für meinen Teil finde das natürliche Geräusch von Kindern viel schlimmer, als das Rauschen der vorbeifahrenden Züge. Ausgesprochen tut es mir schon wieder ein wenig leid – der seltsam verstohlene Blick. „Das kommt noch.“ meint er. Ich schüttle den Kopf. Ich bin optisch wahrscheinlich kein Mensch. Ich habe einen krummen Rücken vom Tippen und zerkaute Fingernägel vom Denken.

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 14.41.34Ich kann dem nichts mehr hinzufügen. Es ist ganz einfach: So wie du willst, werde ich nie sein können. Sie nickt. Sie nickt, obgleich sie es nicht versteht. Würde sie es verstehen, würde sie gehen. Stattdessen nickt sie nur und ihr Nicken quält mich. Jetzt ist kurz Ruhe.

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 14.47.52Aber in ein paar Tagen werde ich wieder etwas nicht richtig machen. Dann werde ich nicht zugehört haben oder nicht rechtzeitig geantwortet oder ich werde nicht aufmerksam gewesen sein, nicht fürsorglich oder verständnisvoll. […] Es interessiert mich nicht. Ich will meine Ruhe. These: In einer Beziehung sucht die Frau eher die Reibung und der Mann die Harmonie.

seele
»Entschuldigung!« –
»Wofür?« –
»Dafür, dass ich bin, wie ich bin.« –
»Jeder Mensch müsste das eigentlich sagen.« –
»Ja. Jeder Mensch ist eine Zumutung.« –
»Statt: Ich liebe dich! Sollten wir besser: Ich ertrage dich! sagen.«

nichtsDas ist wieder so typisch für dich. Du kaufst die Hasstiraden im Lotterielos. Meine Hand verharrt noch eine Weile in der Luft, nachdem du gehst. Wie lange kann ein Mensch auf einem anderen liegen, bis er ihn erdrückt. Sreenshot.

liebereiss

Unsere Liebe sind Sammlungen Screenshots

…sondern Dasein ist ursprünglich.

Ich sage immer: Ja, du kannst mit mir über alles sprechen. Aber eigentlich will ich nichts hören, was nicht meine Stimme ist. Und meine Stimme ist dunkel und monoton. Ich sage: Ja, du kannst mir alles sagen. Aber eigentlich will ich nichts hören, was nicht Ich bin. Und ich bin. Und ich bin – dein Mund. Du sagt, er ist schön, er ist voll – so voller Worte und ich sage, er ist zum Küssen da, nicht zum Sprechen – und ich verbiete dir deinen Kussmund, ich verbiete dir jedes Wort darin, was nicht Ich bin. Und ich bin. Und ich bin – deine Worte. Deine Worte sind so langgezogen und so langweilig, wenn sie nicht Ich sind. Deine Worte, deine Worte sind so zäh, wie das Sperma, das ich schlucken soll, wenn ich mich hingebe – so zäh und ohne Geschmack. So zäh und ohne Ziel, wenn es nicht Ich bin.

Du sagst immer: Ja, du kannst mit mir über alles sprechen. Aber eigentlich willst du nichts hören, was nicht deine Stimme ist. Und deine Stimme ist irgendwie und monoton. Du sagst: Ja, du kannst mir alles sagen. Aber eigentlich willst du nichts hören, was nicht du bist. Und du bist. Und du bist – mein Mund. Ich sage, er ist schön, er ist voll – so voller Worte und du sagst, er ist zum Küssen da, nicht zum Sprechen – und du verbietest mir meinen Kussmund, du verbietest mir jedes Wort darin, was nicht du bist. Und du bist. Und du bist – meine Worte. Meine Worte sind so langgezogen und so langweilig, wenn sie nicht du sind. Meine Worte, meine Worte sind so zäh, wie das Sperma, das du schlucken sollst, wenn du dich hingibst – so zäh und ohne Geschmack. So zäh und ohne Ziel, wenn es nicht du bist.

Du sagst: Wie verschlossen und verschossen wir in unsere Ichs sind. Du sagst, es sei nicht notwendig. Ich zucke mit der Schulter und denke: Hier und jetzt – mach es anders.

…sondern Dasein ist ursprünglich.