Abschiedsbrief 23.04.2015

Ich will all diese Konflikte nicht. Es stresst mich.

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Abschiedsbrief 23.04.2015

Wo ich ende und du beginnst

Da ist eine Kluft dazwischen. Da ist eine Lücke – dort. Dort, wo wir uns begegnen. Dort, wo ich ende und du beginnst. Und es tut mir leid um uns. Die Dinosaurier durchstreifen die Erde. Der Himmel färbt sich grün – dort, wo ich ende und du beginnst. Ich bin oben in den Wolken und ich kann, ich kann einfach nicht herab. Ich kann es sehen, ich bin Teil davon – von alledem, wo ich ende und du beginnst. Dort, wo du mich alleine gelassen hast. Du hast mich alleine gelassen. Ein X markiert den Ort – wie das auseinander driften der Wellen, wie ein Haus ins Meer brechend. Ins Meer … Ich werde dich bei lebendigem Leibe verschlingen. Es wird dann keine Lügen mehr geben. Ich werde dich bei lebendigem Leibe verschlingen. Es wird dann keine Lügen mehr geben – dort, wo ich ende und du beginnst.

Wo ich ende und du beginnst

ende zwanzig (7/12)

Irgendwann ist es vorbei mit dem Verlieben, denke ich. Und sitze auf deiner Bettkante. In diesem spärlichen Zimmer. Irgendwann ist es vorbei. Irgendwann ist es vorbei mit An die Sternen mit silbernen Seile// sind alle die Herzen geknüpft….und mein Verleger fragt mich, ob das nötig ist – immer dieses zitieren und ich denke: Worte, ehrliche Worte, Liebe und so was – das ist doch Kitsch. Das will doch keiner hören. Sag lieber gar nichts mehr. Nimm dich zurück. Mach die Türe zu. Mach die Türe zu, wenn du gehst. Und das ganze Leben ist gehen – ein Käfig Gegangenes. Mach die Türe zu, wenn du gehst – und Platz – mach Platz. Und ich sitze auf deiner Bettkante, schaue dir zu – Rückzug um Rückzug. Und was soll ich sagen, was mich nicht ver-spricht. Und was soll ich tun, was mich nicht ver-rät. Ich weiß gar nichts mehr, hier und jetzt, auf deiner Bettkante. Und du bist nur ein weiterer Mensch auf dieser Liste Menschen, die mich ausklammern. Ist schon okay. Irgendwann ist es vorbei mit dem Verlieben. Irgendwann hat man sein Herz genug geteilt. Und ich denke an Stefan Zweig und den Mann, der sein Herz tötet, der jedes Gefühl in sich tötet, tötet, tötet, tötet bis nichts mehr übrig ist, den Körper zu halten – dann stirbt er. Welche Sehnsucht soll ich also einschlagen. Also schlagen – schlagen will ich sie alle. Später sind wir dann um den See gegangen, gegangen, gegangen, gegangen – und ich dachte, ist schon okay – lass uns Freunde sein. Aber dieses Gefühl, dieses laute Flattern…dieses Ziehen…dieses Gefühl will ich nicht mehr. Also mach die Türe zu, wenn du gehst. Und nimm alles mit – jedes Wort, jede Vorstellung, jede Phantasie, jeden Traum. Irgendwann ist es vorbei mit dem Verlieben. Irgendwann ist man alt und hat sich an jeder Ecke übrig gelassen – veräußert für ein paar Lächeln oder ein paar Blicke oder ein paar Worte. Man hat ein bisschen Bürgerlichkeit gespielt, ein bisschen was Verrücktes getan – und dieses Gelaber vom Leben…ja man lebt doch, immer dann, wenn man nichts davon mit bekommt – immer dann hat man gelebt. Und du nennst mich grübeln und du nennst mich Angsthase. Aber ich habe doch schon alles gesagt – ich bin doch hier, denke ich. Ich bin doch hier – all in. Und sitze auf deiner Bettkante. In diesem spärlichen Zimmer. Ich bin doch hier und ich bin nichts Besonderes – ich bin nur. Aber das reicht. Das ist alles. Und irgendwas, irgendwas ist immer. Und dann nimmst du meine Worte und ziehst langsam eine Grenze. Bis hier hin und keinen Schritt weiter. Und das Erleben von Intimität ist seinem Wesen nach kurzlebig – kurzlebiges Wände einreißen und hinter jeder Wand ist die nächste Oberfläche Hall. Also lang, lang lebe die Weile…denn diese Wege sind lang. Aber Oberflächen…Oberflächen will ich nicht. Ich kann kein Blut sehen, wenn du es mir nicht zeigst. Irgendwann ist es vorbei mit dem Verlieben. Aber darauf warten, will ich nicht.

ende zwanzig (7/12)