Abschiedsbrief 24.04.2015

Ich fühle nicht. Du sagst „Überleg dir mal, was du eigentlich sagst, schreibst, veröffentlichst und es eventuell verletzt, während du mein Nicht-Antworten etc. zur absoluten Grausamkeit stilisierst.“ Ich denke: Fick dich, du Arschloch – sag mir nicht, was ich fühlen oder denken soll – ich fühle nicht. Sag mir doch einfach, dass es dich verletzt. Sag mir, dass du etwas fühlst. Sag mir, wie es ist, etwas zu fühlen – nur das kleine Bisschen, das kleine Bisschen, das keine Wut ist. Sag mir, wer ich bin. Wer ich sein könnte, wäre da etwas in mir – etwas das ist. Sag mir etwas. Ein Satz. Sag mir, dass du mich liebst. Oder dass du mich hasst. Gib mir ein Gefühl.

Aber da ist nichts. Das ist trocken. Das ist trockenes Brot herunterwürgen. Das ist Schorf kratzen, weil ich es einfach nicht lassen kann. Weil ich nicht damit aufhören kann. Weil ich mir jedes bisschen Fläche aufkratzen muss – weil ich das Blut spüren sehen muss. Ich fühle nichts.

Du sagst: Wie verschlossen und verschossen wir in unsere Ichs sind. Du sagst, es sei nicht notwendig. Aber es ist. Es ist, es ist, es ist, es ist, es ist – es ist. Verstehst du das nicht? Es ist. Sag mir, dass du mich liebst. Oder mich hasst. Sag mir ein Gefühl. Sag mir, dass es alles aufhört, wenn wir uns lieben – sag mir, ich bin erlöst.

Ich fühle nicht. Und ich dachte, du würdest mich besser kennen und verstehen, sagst du. Naja, und ich dachte, du wärest besser zu mir, sage ich. Ich sage. Du sagst. Aber ich, ich fühle mich. Ich fühle mich – nur in diesem Moment, wenn ich nicht fühle.

Was bist du nach dem Tod?

Dann bin ich Blumenerde.

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Abschiedsbrief 24.04.2015

ohne gefühl

Ich glaube, ich schwelge zu viel – in Dingen. Warum schlafen alle, wenn ich schreibe. Oder ich meine – wenn ich da bin – dann schlafen alle. Manchmal fühlt es sich so an, als hätte ich noch nie geschlafen, seit ich mich an dich erinnere – also an dich, wie du dich über meinen Körper gelegt hast, so über alles und nicht los lassen wolltest, als ich leise darum bat – bitten. Manchmal denke ich an diese Menschen, die aus mir ein Ding machen wollen – ich denke oft an euch und mich und meine Dinglichkeit. Ich denke oft daran, dass nichts von alledem draußen bleibt – nichts bleibt auf der Oberfläche, alles will in mich – rein. Eindringen. Ich denke daran, dass es nichts bringt, nichts brachte Nein zu sagen. Ich würde gerne den einen oder anderen Moment weniger fühlen können. Oder weniger schwelgen. Oder einfach nur weniger meinen Körper tragen – durch diese Dinge. Ich möchte nur wissen, wie es ist, wenn all das ohne Bedeutung ist – wenn all das keine Spuren hinterlässt. So tiefe Furchen hinterlässt. Erzähl mir davon – ich würde dich gerne fragen, wie das damals für dich war, als du dich auf mich gelegt hast, ohne Gefühl und mich mir weg genommen hast – ohne Gefühl und mich genommen hast ohne Gefühl. Erzähl mir davon – ich will dich fragen. Oder sag es mir – einfach so – es sind nur Worte. Ohne Gefühl. Es sind nur Dinge, die wir tun – kleine Tathandlungen – irgendetwas und jeder bekommt eine zweite Chance und eine dritte oder lass es, schweig, vergiss es. Ich will, ich will es auch vergessen. Aber manchmal nachts, wenn alle schlafen und ich schreibe, bist du dieser Ekel geblieben – ohne Gefühl.

ohne gefühl