Performatives Sein

Teil 1
Ich war schon lange nicht mehr am Meer. Ich bin eher am Fluss. Ich werfe die Füße ins Wasser und vermisse Menschen.

Teil 2

Hier ist meine Haut — sie ist angeblich die Grenze zwischen mir und der Welt. Es ist leicht, diese Grenze zu sprengen. Ich kann ein Messer nehmen und rein schneiden — das ist einfach. Aber dannkommt nur Blut heraus — und es ist keine Welt, die hinein kommt.

Ich verstehe das einfach nicht. Ich verstehe nicht, wie man in ganz tiefer Verbundenheit — verstehen Sie das? Es ist ja schon fast eine Einheit! Ich verstehe nicht, wie man in dieser tiefen Einheit zu einem anderen Menschen auf die Welt kommen kann, um dann isoliert zu sein. Entschuldigen Sie,
aber das verstehe ich nicht. Können Sie mir das erklären? Nein? Wollen Sie nicht? Sie wissen es selbst nicht!

Ich habe mir Ihnen zu liebe auf die Lippe gebissen und in die Finger — hier: Ich blute.

ICH BLUTE!

Das muss dich doch berühren. Wieso berührt dich das nicht. Wieso rührst du dich nicht?

Teil 3

Ich glaube, ich bin verliebt. Ich habe mich in deine Vergangenheit verliebt als Sartre schrieb: Es gibt nur leben oder erzählen. Leck meine Gedanken ab und gegen deine Mauer. Ich möchte sehr selbstbestimmt und feministisch gegen die Wand gedrückt werden.

DU IST EINE MAUER, DIE ICH NIE DURCHDRINGEN WIRD.

Ich meine, ist Ich jetzt ein Begriff, eine Vorstellung oder eine Handlung.

Alles beginnt damit, dass ich vorbei gehe. Die Haut perlt langsam von mir ab — so stelle ich mir ihre Berührung mit dem Wasser vor. Es kann nur ein Kampf sein. Jeder Tropfen nimmt ein Stück von ihr mit und wenn ich nur lange genug unter der Dusche bleibe, bin ich endlich verschwunden. Nur die
ganzen Dinge, die sind dann noch da. Die ganzen Dinge können dann meine Geschichte erzählen, wie dieses viel zu heiße Duschen hier. Ich könnte jetzt behaupten, ich dusche nur so heiß, um endlich etwas zu spüren: Wärme. Um Wärme zu spüren und meinen Körper und meine Hautpartikel, die langsam anfangen zu brennen. Weil das romantisch ist. Weil es ein sehr romantisches Bild ist, Frauen die unter der Dusche brennen. Weil das bedeutet, dass etwas passiert — in mir. Duschszenen sind dafür vorgesehen, den Protagonisten zu einem inneren Monolog anzuregen, seine Entwicklung zu reflektieren oder den Status quo — wo er/sie/es gerade steht. Ich stehe unter der Dusche und ich will verschwinden und das Wasser ist sehr heiß und ich spüre meinen Körper.

Teil 4

Ich bin noch da! Ich bin noch da, ich bin noch da, ich bin noch da. ICH BIN DA.

Es muss etwas passieren.
07:07 Uhr: Körperlicher Zerfall setzt ein. Ich bekomme den Geschmack nicht von den Lippen. Ich habe keinen Durst. Ich habe keinen Hunger.

Die Nacht zur Nacht machen. Dann schlägt der Körper mit voller Wucht auf mich ein — ich bin wieder da. Alles ist wieder da. Dieses ganze Ich ist wieder da. Dann merke ich erst, wie berauscht ich von diesem Moment war. Als da noch kein Ich war. Als da nur Gegenwart war und Gegenwart bedeutet: kein Ich. Wer sagt: Wir sind der Normalzustand — der Mensch in seiner Reinheit — das wissen wir nicht. Wir wissen nichts.

Ist Weiblichkeit jetzt eine Fessel, ein Korsette, eine Strafe? Meine Muschi, meine Strafe! Sie will andere Dinge als ich. Sie will dich partout nicht los lassen. Und meine Lippen, meine Lippen, meineLippen wollen dich nicht loslassen.

Ich pflege lange Sprachlosigkeit — sind zwei zu viel oder brauche ich dich, um ich zu sein  — ich will schon wieder Liebeslieder schreien aber du sagt, ich könne nicht lieben. Du sagst, ich sei arrogant, weil ich so viel mehr liebe, als alle anderen. Vielleicht kann ja keiner lieben. Verstehst du denn meine Liebe nicht? Ich brauche jemanden, jemanden um mich zu ersetzen. Um hier Draußen zu liegen, hier Draußen zu liegen bedeckt mit Blättern. Wenn ihr sie seht, lasst sie wissen, dass ich es geschafft habe. Ich habe es geschafft. Wenn ihr sie gefangen habt, sagt ihr, dass ich hier bin. Wir sitzen hier und fragen uns, ob dein, dein, dein spezielles Licht glüht. Ich brauche jemanden, jemanden um mich zu ersetzen. Um hier zu bleiben, hier zu bleiben und zu brennen in diesen Flammen. Und wenn ihr sie seht, lasst sie wissen, dass ich es geschafft habe. Ich habe es geschafft. Und wenn ihr sie gefangen habt, sagt
ihr, dass ich hier bin. Ich bin hier.

Aber was mir niemand verraten hat:
Das Licht, das Licht, das Licht verheimlicht das Sterben vor dem Leben.

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Performatives Sein

Setz dich auf meinen Schoß!

„Setz dich auf meinen Schoß!“ – „Nein!“ – „Setz dich auf meinen Schoß!“ – „Nein!“ – „Setzt dich auf meinen Schoß!“ – „Befehl mir das nicht!“ – „Setzt dich auf meinen Schoß!“ – „Nein!“ – „Setzt dich auf meinen Schoß!“ – „Nein! – „Setz dich auf meinen Schoß!“ – „Nein! Nicht so.“ – „Setz dich auf meinen Schoß!“ – „Nein!“ – „Setz dich auf meinen Schoß!“ – „Vielleicht wenn du mich 100 Mal darum bittest.“ – „Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß! Setz dich auf meinen Schoß!“

Setz dich auf meinen Schoß!

Unsere Liebe sind Sammlungen Screenshots

»Ich will deine Muse sein.«
»Screenshot!«

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 14.27.36Dadurch entstehen seltsame Bilder – z.B. durch Glas oder durch ein Prisma. Ich für meinen Teil finde das natürliche Geräusch von Kindern viel schlimmer, als das Rauschen der vorbeifahrenden Züge. Ausgesprochen tut es mir schon wieder ein wenig leid – der seltsam verstohlene Blick. „Das kommt noch.“ meint er. Ich schüttle den Kopf. Ich bin optisch wahrscheinlich kein Mensch. Ich habe einen krummen Rücken vom Tippen und zerkaute Fingernägel vom Denken.

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 14.41.34Ich kann dem nichts mehr hinzufügen. Es ist ganz einfach: So wie du willst, werde ich nie sein können. Sie nickt. Sie nickt, obgleich sie es nicht versteht. Würde sie es verstehen, würde sie gehen. Stattdessen nickt sie nur und ihr Nicken quält mich. Jetzt ist kurz Ruhe.

Bildschirmfoto 2015-07-14 um 14.47.52Aber in ein paar Tagen werde ich wieder etwas nicht richtig machen. Dann werde ich nicht zugehört haben oder nicht rechtzeitig geantwortet oder ich werde nicht aufmerksam gewesen sein, nicht fürsorglich oder verständnisvoll. […] Es interessiert mich nicht. Ich will meine Ruhe. These: In einer Beziehung sucht die Frau eher die Reibung und der Mann die Harmonie.

seele
»Entschuldigung!« –
»Wofür?« –
»Dafür, dass ich bin, wie ich bin.« –
»Jeder Mensch müsste das eigentlich sagen.« –
»Ja. Jeder Mensch ist eine Zumutung.« –
»Statt: Ich liebe dich! Sollten wir besser: Ich ertrage dich! sagen.«

nichtsDas ist wieder so typisch für dich. Du kaufst die Hasstiraden im Lotterielos. Meine Hand verharrt noch eine Weile in der Luft, nachdem du gehst. Wie lange kann ein Mensch auf einem anderen liegen, bis er ihn erdrückt. Sreenshot.

liebereiss

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…sondern Dasein ist ursprünglich.

Ich sage immer: Ja, du kannst mit mir über alles sprechen. Aber eigentlich will ich nichts hören, was nicht meine Stimme ist. Und meine Stimme ist dunkel und monoton. Ich sage: Ja, du kannst mir alles sagen. Aber eigentlich will ich nichts hören, was nicht Ich bin. Und ich bin. Und ich bin – dein Mund. Du sagt, er ist schön, er ist voll – so voller Worte und ich sage, er ist zum Küssen da, nicht zum Sprechen – und ich verbiete dir deinen Kussmund, ich verbiete dir jedes Wort darin, was nicht Ich bin. Und ich bin. Und ich bin – deine Worte. Deine Worte sind so langgezogen und so langweilig, wenn sie nicht Ich sind. Deine Worte, deine Worte sind so zäh, wie das Sperma, das ich schlucken soll, wenn ich mich hingebe – so zäh und ohne Geschmack. So zäh und ohne Ziel, wenn es nicht Ich bin.

Du sagst immer: Ja, du kannst mit mir über alles sprechen. Aber eigentlich willst du nichts hören, was nicht deine Stimme ist. Und deine Stimme ist irgendwie und monoton. Du sagst: Ja, du kannst mir alles sagen. Aber eigentlich willst du nichts hören, was nicht du bist. Und du bist. Und du bist – mein Mund. Ich sage, er ist schön, er ist voll – so voller Worte und du sagst, er ist zum Küssen da, nicht zum Sprechen – und du verbietest mir meinen Kussmund, du verbietest mir jedes Wort darin, was nicht du bist. Und du bist. Und du bist – meine Worte. Meine Worte sind so langgezogen und so langweilig, wenn sie nicht du sind. Meine Worte, meine Worte sind so zäh, wie das Sperma, das du schlucken sollst, wenn du dich hingibst – so zäh und ohne Geschmack. So zäh und ohne Ziel, wenn es nicht du bist.

Du sagst: Wie verschlossen und verschossen wir in unsere Ichs sind. Du sagst, es sei nicht notwendig. Ich zucke mit der Schulter und denke: Hier und jetzt – mach es anders.

…sondern Dasein ist ursprünglich.

Abschiedsbrief 24.04.2015

Ich fühle nicht. Du sagst „Überleg dir mal, was du eigentlich sagst, schreibst, veröffentlichst und es eventuell verletzt, während du mein Nicht-Antworten etc. zur absoluten Grausamkeit stilisierst.“ Ich denke: Fick dich, du Arschloch – sag mir nicht, was ich fühlen oder denken soll – ich fühle nicht. Sag mir doch einfach, dass es dich verletzt. Sag mir, dass du etwas fühlst. Sag mir, wie es ist, etwas zu fühlen – nur das kleine Bisschen, das kleine Bisschen, das keine Wut ist. Sag mir, wer ich bin. Wer ich sein könnte, wäre da etwas in mir – etwas das ist. Sag mir etwas. Ein Satz. Sag mir, dass du mich liebst. Oder dass du mich hasst. Gib mir ein Gefühl.

Aber da ist nichts. Das ist trocken. Das ist trockenes Brot herunterwürgen. Das ist Schorf kratzen, weil ich es einfach nicht lassen kann. Weil ich nicht damit aufhören kann. Weil ich mir jedes bisschen Fläche aufkratzen muss – weil ich das Blut spüren sehen muss. Ich fühle nichts.

Du sagst: Wie verschlossen und verschossen wir in unsere Ichs sind. Du sagst, es sei nicht notwendig. Aber es ist. Es ist, es ist, es ist, es ist, es ist – es ist. Verstehst du das nicht? Es ist. Sag mir, dass du mich liebst. Oder mich hasst. Sag mir ein Gefühl. Sag mir, dass es alles aufhört, wenn wir uns lieben – sag mir, ich bin erlöst.

Ich fühle nicht. Und ich dachte, du würdest mich besser kennen und verstehen, sagst du. Naja, und ich dachte, du wärest besser zu mir, sage ich. Ich sage. Du sagst. Aber ich, ich fühle mich. Ich fühle mich – nur in diesem Moment, wenn ich nicht fühle.

Was bist du nach dem Tod?

Dann bin ich Blumenerde.

Abschiedsbrief 24.04.2015

Irgendwie Utopie – die Sache zwischen uns.

Ich denke, du hast ein sehr verbrauchtes Kinn. Es läuft spitz zu und immer, wenn du besoffen in meiner Küche sitzt, stütz du die Hände aufs Kinn und bohrst deine langen Finger in die Furche, die deine ganze Gestallt schön symmetrisch in der Mitte teilt. Du hast gerade noch ein Plädoyer an deine Trunkenheit gehalten – ein bisschen schön sieht es aus, wie dein langer Körper sich zwischen Stuhl und Küchentisch in den wenigen Raum sortiert und dann langsam auf dem Kinn zum Erliegen kommt. Jetzt bist du ruhig und wahrscheinlich schläfst du gleich ein.

Die Tür ist in meinen Schoß gefallen, laut und deutlich. Ich habe Angst vor Neonlesern und vor der langvokaligen Aussprache des Wortes Kaffee – wie man in Österreich sagt, nämlich Kaffeeeeee. Da liegt das Gewicht auf dem Ende. Als ich den Kopf hebe, starrt mir der Typ von der Seite auf den Handydisplay – ich schaue ihn an – ich schaue direkt auf sein Gesicht und warte, ob er meinen Blick bemerkt. Er bemerkt meinen Blick, schaut dann aber nicht beschämt weg. Heute vor acht Tagen war noch alles okay, denke ich. Oder? Ich weiß es nicht. Ich denke, ja cool – mich hat schon wieder jemand verlassen.

Ich würde jetzt lieber hier im schmalen Gang zwischen Spüle und Küchentisch mit dir vögeln – es ist ja so, dass die männliche Potenz in Richtung dreißigstes Lebensjahr schon stark abnimmt aber bei Trunkenheit geht sie gleich Null. Ich unterstehe mich, Levi das zu sagen – als ich sagte, wir könnten ruhig Analsex haben, sein Schwanz sei nicht groß genug, um mich zu erschrecken, ist er wütend gegangen und stand erst zwei Tage später wieder vor der Tür, besoffen und reumütig, weil er wahrscheinlich mit einer Anderen gevögelt hat.

Ein bisschen gelangweilt redet er von geschlossenen Intervallen von minus 1 bis unendlich und eindeutig lösbar nur für 0 und minus 1. Noch eine Sache, von der ich keine Ahnung habe, wie hysterisch lachen. Ich verstehe auch die Leute nicht, die ihren Handyklingelton immer an haben – das ist doch peinlich. Was mich wütend und traurig macht, ist Levis lächerlich-kindisches Gelaber, wenn er z.B. sagt, dass ich geistfeindlich sei, weil ich gerade keine Lust habe über fucking Werner Herzog und Hegel zu diskutieren oder wenn ihn meine Nähe stresst, aber ich bin erstaunt darüber, wie egal mir das gerade ist. Viel mehr starre ich den Neonleser an – er sitzt mir gegenüber.

Wenn Levi morgens aufsteht um zu den anonymen Alkoholikern zu gehen, steht er lange vor dem Spiegel. Ich schaue ihm dabei zu, wie er sich die Haare immer wieder von der einen Seite zur anderen Seite legt, wie er sich dabei selbst beobachtet und das Gesicht lange untersucht, die Falten des Hemdes, des Jacketts. All das legt er sich immer wieder zurecht, zupft, zieht. Der Spiegel kann dich gar nicht ganz erfassen, er ist viel zu niedrig angebracht und du bist zu groß. Ich tippe in mein Handy: Selbst die narzisstischen Arschlöcher fühlen sich dann und wann nutzlos – dann darfst du sie trösten.

Ich denke nicht, dass du weinen kannst. Ich habe dich noch niemals weinen sehen. Ich stelle mir vor, du sitzt in der Kneipe und weinst. Ich stelle mir vor, du weinst und alles, was dich von mir trennt, ist dein Stolz, nicht dein Desinteresse. Ich stelle mir vor, dass du viele Male eine Nachricht in dein Handy tippst, sie dann aber nicht absendest und allein das ist die Zeitspanne deines Nicht-antwortens. Ich stelle mir vor, du weinst nicht mal am Grab deiner Mutter. Dann schüttle ich den Kopf – ich weiß es ja, du hast geweint.

Levi hat versucht, mich umzubringen. Er hat so lange nichts von sich hören lassen, dass ich fast aus dem Fenster gesprungen wäre. Es waren mindestens zwei oder drei Tage. Jetzt sitzt er besoffen in meiner Küche auf seinem Kinn. Sein ganzer Körper ist still. Er ist diese Stille – und für einen Moment kann ich mich ganz in ihn hineinlegen – ganz ich sein. In der Stille sind wir uns einig. Ich fange an, diese Melodie zu summen – aus der Werbung – vollgepackt mit guten Sachen, die das Leben schöner machen …

Irgendwie Utopie – die Sache zwischen uns.