#notjustsad

Mitte November taucht initiiert durch die Twitterin Malaika Bunzenthal (@Mail_2) der Hashtag #notjustsad im deutschsprachigen Twitterraum auf. Es ist der Moment, in welchem sich das kollektive Unterbewusstsein auf sehr tiefsinnige und eingehende Art zum Thema Depression artikuliert. Depression ist eine Krankheit, die nicht zwingen als Resultat eines traumatischen Erlebnisses hervorgehen muss. Es ist eine Krankheit, die den Erkrankten häufig schon sein ganzes Leben begleitet – ohne dass jener den Ursprung dieses Empfindens wirklich identifizieren kann. Ähnlich einer Grippe, taucht sie immer wieder mal auf, oder ist wie eine Allergie irgendwie dauerhaft präsent. #notjustsad ist der Moment, in welchem zahlreiche an Depression erkrankte Menschen deutlich machen wollen, dass sie nicht einfach nur traurig sind – Depression ist kein Zustand, aus dem man sich einfach erheben könnte, wenn man sich nur ordentlich anstrengt, wenn man sich mal zusammenreißt und sich nicht einfach nur so gehen lässt. Depression ist ein Zustand, in welchem sich das Innenleben selbst angreift – ein innres Zerfressen, welches nicht selten auch die Oberfläche des Körpers attackiert. Zwischen Lustlosigkeit, Selbsthass, sozialer Angst bis hin zu Suizid artikuliert sich diese Krankheit in vielen verschieden Facetten.

An #notjustsad fasziniert mich der plötzliche Wille, im kollektiven Miteinander des Twitterforums nach einem Austausch der je eigenen Bilder und Facetten dieser Krankheit zu suchen – und das auf sehr reduziertem sprachlichen Raum. Im Zuge dessen habe ich mir die Frage gestellt, in welchen Bildern wir Depression denken. Es sind häufig die in-sich-gekehrten, traurigen Gesichter, die einem dann so in den Sinn kommen – isoliert in einer Ecke sitzend, weinend. Darin sehe ich nur einen Aspekt dieser Krankheit. Nach eingehender Lektüre der unzähligen Tweets, die das Aufkommen dieses Hashtags zu Tage gefördert hat, bin ich davon überzeugt, dass es andere, viel spannender Bilder geben muss, die Geschichten erzählen können, die über die reine Traurigkeit hinaus gehen und deutlich machen können, welche ungemeine Belastung diese Krankheit darstellt, vor allem im Kontext dessen, dass Depressionen in unserer Gesellschaft selten als reine Erkrankung anerkannt werden, sondern viel häufiger als Unwille der Person interpretiert werden, sich anzupassen oder sich selbst zu helfen. Für mein Photoprojekt möchte ich genau nach diesen Bildern suchen.

Meine Idee ist daher, den Kontakt zu Menschen zu suchen, die sich mittels des Hashtags auf Twitter den Raum geschaffen haben, ihre eigene Depression öffentlich zu thematisieren. Ich möchte ihnen begegnen und mir ihre Geschichte anhören: Ihr je eigenes Erleben dieser Krankheit. Im Zuge dessen möchte ich im gemeinsamen Gespräch ein Bild entwerfen, welches die je eigenen Aspekte und Konsequenzen dieser Erkrankung am Besten zum Ausdruck bringt. Mein Photoprojekt soll eine Brücke schlagen zwischen dokumentarischer Photographie – denn ich möchte nur mit Menschen arbeiten, die an Depressionen leiden und bereit sind, darüber zu sprechen – und inszenierter Photographie, denn das Endergebnis soll ein Bild sein, welches zwar die eigenen Erfahrungen aufgreift, diese jedoch auf ein Moment reduziert und im Lebensraum des Protagonisten inszeniert. Ich möchte mich mit der Nicht-Sichtbarkeit dieser Krankheit auseinandersetzten und versuchen, die verschiedenen Erlebnisse, Eindrücke, Ängste, sozialen Schwächen in durchdachten Bildern dokumentieren.

Die Bilder sollen in Farbe sein, da der dokumentarische Charakter enthalten bleiben soll. Schwarzweiß Aufnahmen würden gerade in diesem Kontext wieder sehr plakativ und artifiziell wirken. Ziel ist eine Serie von sechs Bildern bis neun Bildern von jeweils unterschiedlichen Menschen und unterschiedlichen Inhalten, um den Facettenreichtum dieser Krankheit aufzugreifen.

Kontakt: mail@sarah-berger.de

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7 Gedanken zu “#notjustsad

  1. Die Idee finde ich klasse und absolut mutig! Ich hoffe natürlich, dass du Teilnehmer findest, die ebenfalls den Mut aufbringen, das Innere nach aussen zu kehren im Gespräch mit einer doch grundsätzlich fremden Person, denn der Quantensprung von einem Tweet bis zum direkten Gespräch ist grösser, als manche annehmen.
    Jetzt hoffe ich auch, dass Mutige kommen und Du das Projekt so umsetzen kannst, wie Du es dir gedacht hast und uns dann natürlich daran teilhaben lässt!

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    1. Danke für dein Feeback. Es scheint da Draußen sehr viele Mutige zu geben – zumindest bin ich schon auf viel Neugier und postive Ressonanz gestoßen und ich denke, ich werde das Projekt noch einige Monate verfolgen und dann vielleicht im Fühjahr auch eine Ausstellung in Berlin machen – mal schauen, wie es läuft. Ich werde natürlich auf Twitter und hier immer darüber berichten! Danke fürs Zuhören!

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  2. Heike Ischdonat schreibt:

    Gute Idee, mir ist jedoch nicht klar, wie du es dir vorstellst. Soll das Foto ein Symbolbild sein?
    Wäre durchaus interessiert mitzumachen.
    LG

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