Blinder Fleck

Ich habe was wäre wenn gespielt und da war nichts. Tag, der die Träume endet. Jeder Gedanke ist einer zu viel.

Mein Kopf ist der blinde Fleck. Er vervollständigt alle Geschichten, bevor sie passiert sind. Alle noch nicht erzählten Geschichten. Als hielte er es nicht aus. Im Ungewissen unausgehalten, Du.

Der blinde Fleck der Begegnungen sind die Phantasien, Träume – ruhelos, ohne Zeit.

Alles ist für immer gefangen in meinem Kopf.

Auf zehn mal zehn Zentimeter gefangen – in kleinstem Raum: Ich.

Ich habe was wäre wenn gespielt und da war nichts.

Die Realität ist dann mit einem Mal so fade.

„Wir schreiben, weil wir verstanden werden wollen.“ sagt der Schriftsteller. Wir stehen im Dämmerlicht der Küche – zwei mal zwei Meter und wir stehen uns nahe. „Wir schreiben, um die Dinge aus unserem Kopf zu befreien, sich nahe sein, sich öffnen – all das, was man untereinander, so von Mensch zu Mensch, nicht kann.“ Tag, der die Träume endet, denke ich. Tag, der die Träume endet, wenn zwischen uns endlich alles ausgesprochen ist. Erst kommt das Interesse. Dann die Langeweile. Dann bringen wir uns um.

„Schön beschreibst du die Leere.“ sagt der Schriftsteller. Ich habe sie beschrieben, wie das Nichts in der Unendlichen Geschichte. Das ist nämlich der Moment, in welchem mich nichts mehr erreicht. Alles was ich dann aufnehmen würde, würde in dieses Nichts fallen und davon verschluckt werden. Alles. Was ist das. Welt … das bin alles nur ich. Alles. Alles bleibt für mich ein Geheimnis. Alles würde verschluckt werden.

Manchmal schlägt das Ich noch biestig gegen den eigenen Innenraum. Aber ich bin ruhiger geworden. Die Leidenschaft erlischt. Es ist kein zur Ruhe kommen. Es ist sterben.

Ich habe was wäre wenn gespeilt und da war nichts.

„Das ist Kunst.“ sagt der Schriftsteller im Dämmerlicht der Küche. „Sich zerreißen. Gegen die Angst, plötzlich doch da zu sein, echt zu sein – Mensch zu sein und dann ist da nichts. Nichts Besonderes. Nichts Einzigartiges.“ Ich nippe an meinem Glas Schaumwein. Ich nippe und nicke.

Tag, der die Träume endet. Ich will dich ja befreien – aus meinem Kopf raus. Aber dann liegen wir ja doch Nacht für Nacht jeder in seinem eigenen Bett und träumen den Anderen – im blinden Fleck.

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