Abschiedsbrief 22.06.2015

Ich würde mich gerne umbringen. Ich kann es nicht aber ich will es so unbedingt. Ich will einfach nicht mehr leben. Ich verstehe dieses Leben nicht. Ich verstehe mich nicht. Ich kotze jede scheiß Nacht meine Seele aus dem Leib, weil ich dieses grausame Leben nicht verstehe. Ich weiß nicht, warum ich mich selbst so sehr hasse. Es ist einfach da. Es kommt von ganz tief drinnen und es macht mir dieses starke Bedürfnis, mich ein Mal komplett umstülpen zu müsse, nur um zu wissen, ob da irgendwo vielleicht doch ein Mensch ist. Es ist einfach da und dann versuche ich, es auszukotzen aber dann in der nächsten Nacht ist es wieder da und dann wieder und dann wieder und dann wieder. Und mein Leben ist nur Schein. Es ist ein Abbild dessen, wie ich mir ein Leben vorstelle – Dinge tun, Menschen treffen, sich beschäftigen so lange es hell ist. Aber ich lebe nicht. Ich bin das nicht. Das ist eine Vorstellung, ein Abbild von mir, eine Rolle, die ich nach Außen spiele. Damit niemand sieht, wer ich wirklich bin. Denn ich bin dieses kotzende Mädchen und mehr nicht. Ich bin dieser Mensch, der kein Mensch ist, weil mein Wesen ist einzig und allein Selbsthass und das ist kein Mensch, das ist kein Leben. Und ich bin so krank, dass ich diese Worte, die ich gerade geschrieben habe, jetzt nicht so stehen lassen kann – sondern ich muss sie nehmen und daraus Literatur machen. Das ist mein erster Impuls. Damit sie ihre Macht über mich verlieren. Damit ich zurück kann hinter die Maske und tagsüber so tun kann, als wäre alles okay und als wäre ich ein Mensch, der ein Leben hat.

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Abschiedsbrief 22.06.2015

9 Gedanken zu “Abschiedsbrief 22.06.2015

  1. a-lothlorien-world schreibt:

    Liebe Sarah,

    Ich bin im Rahmen meiner Hausarbeit auf deinen Blog gestoßen.
    Deine Worte haben etwas in mir stark bewegt. Ich kenne diese Gefühle nur allzu gut. Man wird so leicht von ihnen aufgefressen und gelenkt. Die Gefühlslosigkeit dagegen kann irgendwann zur Sucht werden.

    Wie dem auch sei. Ich habe gebannt deine Einträge dieser Kategorie gelesen und war wie in Trance. Ich wollte mehr von deinen Worten, auch wenn ich mich wie ein Voyeur fühlte. Ich danke dir für diese Gefühl. Beim letzten Eintrag hatte ich Angst, du hättest es wirklich getan. Ich hatte Angst um dein Talent. Es ist sehr lange her, dass mich Jemand so mit seinen Worten fesseln konnte.

    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute auf deinem Weg.
    Ich hoffe künftig noch viel von dir lesen zu dürfen. Es wäre mir eine Ehre.

    Liebe Grüße,
    Fanny

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Fanny, danke für deine Nachricht. Das war damals ein Projekt mit einem befreundeten Autor; wir wollten jeden Tag einen Abschiedsbrief schreiben aus dem Gefühl heraus, welches man an diesem Tag hat. Ich habe die dann immer extra um ein paar Tage versetzt datiert. Ich danke Dir für deine Worte. Es freu mich, dass dir meine Texte etwas geben konnten. Danke. Liebe Grüße, Sarah

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