Folien

Der erste Schreib mich! Text, dessen Autor/in nicht genannt werden will und auch mir nach wie vor unbekannt ist.

Ich stelle mir vor: Sie steht auf, der Blick noch verschwommen, Traumfäden und Wachwerdegedanken, die durch den Kopf nebeln. Die Brille ist…? Schaut auf ihr Gerät. (Eine Unmöglichkeit des Schreibens. Smartphone, iPhone, Handy, Device, Gerät kein Wort dafür, das nicht das Textgewebe unwiederbringlich zerstören würde. Weil diese Wörter zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sich mit nichts verbinden mögen. Immerhin hat sie ein paar, die den Krater im Gewebe klein halten, abdecken, wenn auch etwas verschämt.) „Der neben mir liegt, der liebt, als wenn er Barnabas wäre.“ Passt ficken? (Geschmäcklerisch zungenschnalzend labsalen und voyeuristischen Kitzel, beides vermeiden! Schwer. Später. Auf nun!) Wie man Gedanken hervorzieht, manchmal meißelt sie die Figur, die sie meint, öfter meißelt sie die Skulptur, die nur den Weg zur nächsten markiert. Die Gestalt ist schwer zu treffen, Schreiben ist ein Handwerk. Zu früh. Immer ist ein nächstes Mal möglich. In seltenem Gelingen spürt sie sich nah dran (ob es die Leser auch spüren. Es gibt nur die eine Leserin für die sie schreibt. Anders geht nicht. Besser werden, hoffen, arbeiten. Sehnsucht nach Leserschaft, Bekanntheit, Verkauf, auch selber Nachhelfen: losgelöst vom Schreiben.)

Ich behaupte (fälschlicherweise): Sie lebt allein ist allein. Muss so sein, konsistenter, abgeschichteter. Oder nicht allein, aber mit einem jemand, dem sie goldfischnah ist. Katzennah höchstens.

Ich stelle mir vor: Sie überlegt kurz – eigentlich ein wenig zu lang für „kurz“, es ist noch früh, für sie – was eine (erdachte) jemand, der sie wäre, nach (erdachtem) gestrigen Abend und der darauf folgenden (erdachten) Nacht in sich (erdacht) vorgehen (erdacht) spüren würde. (was sie nicht in sich (erdacht) vorgehen (erdacht) spüren würde). Wie diese sie, die jemand wäre, die sie – und viele andere auch – sein könnte, wach gelegen hat, wie immer sie mit Gewalt ihren Misserfolg (Teil ganz offenbar einer Kette sich aneinanderreihenden Misserfolge, zwangsläufige, weil das Verlangen zwangsläufig als auch die Nichterfüllbarkeit zwangsläufig) [Schnell die störende Assoziation Camussisyphos verdrängen] erzwang (sie selbst, die nachts nicht viel schläft, schafft Klarheit, weniger als ihre Figuren-ich.). Der Andere, fremdnah am Tisch vorher, Fläche im Bett später, zuletzt in Schlafeinzelzelle gegen die Illusion aufkommender Nähe abgeschirmt, der Andere in dem sie sein sollen könnte, dem sie aber nur eine Folie aufziehen kann, um ihn zu beschauen als jemand, der mit dieser Folie (immerhin!) so aussieht, als wäre sie in ihm. Lüge. Das einzige was bleibt ist Geruch und Gefühl der Folie.

Ich erfinde: Sie setzt sich auf das Bett, das T-Shirt verlässt die Schlafwärme, wischt diesen Gedanken weg und auch die anderen, nimmt das Notizbuch und trägt dort Material hinein, was sich – tatsächlich oder vielleicht oder sichernie –zur stofflichen Verwertung in der Produktion eignet. Noch mal ein kurzer Blick durch den kleinen Bildschirm (wieder, das Gewebe reißt, fast) in die leere Welt. Ein kleines Fragment, oder ein kleiner /eigener?/ Hundertvierzigtext. Od. Zitat der Großen. Keiner bemerkt es, wenn es nicht Schulstoff ist. Stolz-Zurückmeldung unvermeidlich. Sie lächelt. Der Mund kann lächeln, gern sogar, kann alles (17 Minutenbeweis). Aber darstellen in Bildern, dort wo jeder schauen kann, die ganze Welt, besser also mit dem Mund dem ohne Lächeln. (//Kladde/Stift: produziert Text; //Tastatur: produziert Text; //Schriftstellerin Mund: Produziert Text; //Produktionswerkzeuge sehen aus wie Produktionswerkzeuge. Deshalb der Mund: So.) Eine Identitätsfolie. Wen interessiert’s.

Ich vermute: Haare (so?), Zigarette. Kaffee? (Ich frage mich) Was wird sie nun tun, um den Spiegel sie überzeugen lassen zu können, sie sei eine junge Schriftstellerin? Junge ||| Schriftstellerin. Die beiden Worte verbunden sich in ihr nicht. //Jung können: Menschen, wg. Biologievergehenentstehen; //Gebirgsmassive, wg. Geologieformieren; //Kulturen, wg. Geschichtsgesellschaft/r/evolvieren. Verformungen nach Regeln und Mustern. Anders Schriftstellerin: Frau mit Tätigkeit: Schreiben. Schreiben ist kein werden, Schreiben ist Schreiben – ist nicht schreiben, ist verdichten intertexten kompilieren.

(Gähnen. Streicht vorsichtig (was hier ist: genau als ob zart, aber ohne Konnex) mit den Fingerspitzen der linken Hand über die Haut (ohne Gedanken) kurz unterhalb des Schlüsselbeins (fast schon oberhalb von) nur zum Spüren. Haut-an-Haut-Bewegung.)

Sie: Schriftstellerin? Oder diese /in/ jener? Schriftstellerinnen schreiben. Manche Schriftstellerinnen fotografieren. Ist sie eine Schriftstellerin, wenn sie sie so fotografiert (Fotos, auch Text, aber muss nicht)? Ist (nur) eine Schriftstellerinfolie über der Fotografin? Eine Fotografinfolie über der Schriftstellerin? Stift wieder in der Hand. Schreiben (Hakelig krakelige unflüssige Schrift. Tastatur, wenn immer es geht. Manche Ideen brauchen zuerst den Stift und seine Eigenheiten). Arbeiten Schreiben Texten, nicht denken, wie Schriftsteller sind. Schreiben, etwas aus sich herausziehen, das heraus muss. („Einem Text muss man ansehen, dass er geschrieben werden musste.“) Sie schlägt den Block auf. Erst Hundertvierzigzeichentext (Lesen vieler Hundertvierzigzeichentexte erliest eine Hundertvierzigzeichentextfolie von ihr). Auch Schriftstellen, sowas.(?) Teil einer Lesung, was dort definiert das? Schreib, verdammt. Da war noch irgendwo der Anfang des Gedichts, ein paar rohe Zeilen, ein paar Isotopien (<-Philosophie&-logie! denn: alles andere ist naive Malerei). Ist ein Gedicht fertig? Wenn es auf WordPress gebloggt ist ach was wenn ich spüre ich hab nichts mehr dazu ich kann es nicht besser (oder keine Lust, der -keinen Glauben mehr an mehr Erfolg-). Material kann sein: Sex (wie ist wichtig, aber (im Text) nur ein Bild, Haut die dünne Folie um den Körper, die Hautfolie undurchdringbar, kein Eindringen

nur: Haut an Haut. also:

nie jemandsich in anderem jemand treffen

Mundöffnung meine Öffnungen/seine Öffnungen

Tränenöffnungen (beschämende Lügner)

nass trocken

öffnen Türen sich

Öffnungen öffnen keine Türen. Körperliche also (wie anatomisch altbacken das klingt) sind ihre Metaphern etwa anal oral Suff Schwanz im Mund Tränen – Nähe geht nicht. Liebe? Eine Aporie aus Aporien. (Philosophie/-logieseuche, wieder). Liebe geht nur bspw. Ironisieren geht nicht, da, unvermögend, das Ironisierte dadurch inthronisierend. (Schnell weg, kalauernde Assoziation I*ierend.)

Zeit sich anzuziehen. Sie beginnt zu schreiben: „Ich stehe auf, mein Blick noch verschwommen, verschwommen, wie das was mir im Kopf umgeht. (Später evtl. Begründung) Er liegt neben mir, erinnert mich an Barnabas. Wie kann ein Nackter wie ein eifriger Bittsteller, wohlerzogener Diener & Bote aussehen, männlich und sanft?“ (Wonach riecht er ihr? Was wollte er? Wie wird die Distanz von ich zum ich im Anderen durch das Medium Barnabas lebend?)

Ironie, sie, die Schriftstellerin, sie das „ich“, sie der kleine Bildschirm. Welche ist welche. Eine Literatin spielt mit dem Leser. Nicht/Doch. Der Text spielt, mit ihr, mit den Lesern. Immer. Katzen spielen mit Mäusen, Kinder spielen mit Lego, Texte mit Texten. Texte texten Text. Hundertvierzigzeichentexte. Schriftstellerinnenhaare-> Bildhundertvierzigzeichentext.Haare.1 Haargedankenfragment landet i d Kladde.Haare,Nähe,Hände.(Wo sind überall Haare). Sie will hören, wie ihre Stimme klingt&wie sich die Stimme. Kratzig ein wenig manchmal (genau richtig!), etwas nervös geht auch, flackernd, die Wörter & Worte in der Stimme. Passt, genau. Das Philosophiestudium, zum Denken, das Denken zieht die Wahrnehmung (heraus), die Wahrnehmung hinein schreiben. Hundertvierzigzeichentext ist ein Textfragment, Text ist aus Fragmenten.

Ich sehe: Kaffee, die zweite Zigarette. Müsli (auch dieses verkleinernde „-li“ ein Webfehler im Text, kraterbildend) vielleicht.

Die beste Wirklichkeit wäre die, in denen man mit Büchern schlafen könnte – zart, rau, vertraut, rätselhaft, oralanalgeküsst, heiß, kalt. romantiklos.


Vielen Dank an Unbekannt!

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