ein zustand dazwischen

Aaron behauptet, selbst wenn wir die Fenster öffnen, würden die Mücken in diesem Zwischengelass bleiben, sie würden weder ins Zimmer noch ins Draußen fliegen, sie würden einfach in dieser Nische zwischen den beiden Glasscheiben bleiben. Das ist schön, denke ich aber ich will es nicht aussprechen. „Also soll ich die Fenster lieber geschlossen lassen?“ Im Augenwinkel sehe ich ihn nicken.

Es liegt nicht an mir.

Es liegt nicht an mir.

Es liegt nicht an mir.

Dieses Mantra ist kaputt.

Ich frage Aaron, ob das alles nicht Wahnsinn ist. Er und ich. Und dass er nicht ich ist und ich nicht er ist. Und dass ich diesen Zustand manchmal kaum ertrage, nicht er zu sein. Er sagt, ich denke zu viel. Ich denke, dann fick mich, wenn ich nicht mehr denken soll. Ich will das Fenster öffnen aber Aaron lässt mich nicht. Sein Blick schleift mich am Handgelenk von der einen Seite des Raumes in die andere. Er will alles von mir wissen und was ich erzähle ist viel zu viel.

Ich bin zu viel.

Ich bin zu viel.

Ich bin zu viel.

Dieses Mantra ist kaputt.

Ich habe den Mücken Namen gegeben. Aaron weiß das nicht. Ihnen allen Namen zu geben, hat etwas Ultimatives. Wenn sie irgendwann sterben, in diesem Zustand dazwischen, könnte ich ihnen kleine Särge bauen – z.B. aus Streichholzschachteln und ich könnte sie namentlich bestatten. Ich würde sie fragen: Erinnerst du dich an den letzten Kuss?

Ich bin so schön.

Ich bin so schön.

Ich bin so schön

Dieses Mantra ist kaputt.

Aaron klopft nicht – er tritt gegen mein Bewusstsein. Sein Blick zieht mich am Handgelenk durch den ganzen Raum und weiter. Ich will ihn nicht rein lassen aber seine Stimme ist so schön und berührt mich dort, wo sonst nur mein Körpergefühl sitzt – also zwischen Schlüsselbein und Brustbogen. Er will einen warmen Körper für die Nacht und sein Geruch fehlt mir schon, als er mich noch eng umschlingt. In dieser Nacht bete ich zum ersten Mal. Ich bete, bleib einfach dieser Typ, den ich von Weitem lange angeschaut habe.

Ich bin ein Mensch.

Ich bin ein Mensch.

Ich bin ein Mensch.

Dieses Mantra ist kaputt.

Die Mücken in ihrem Verfängnis. Bei mir ist es ja anders herum. Ich bin leicht zu definieren und schwer anzuschauen. Ich wusste nicht, dass ich das letzte Mal in Aarons Wohnung bin. Hätte ich es gewusst, hätte ich mich vielleicht anders bewegt. Ich hätte vielleicht noch die ein oder andere Spur hinterlassen – nur damit er mich nicht vergisst. Ich ertrage es nicht, vergessen zu werden. Zumindest hätte ich das Fenster geöffnet.

Ich will nicht mehr lieben.

Ich will nicht mehr lieben.

Ich will nicht mehr lieben.

Das Mantra ist kaputt.

[Ja – ich werde enden. Aaron behauptet, es liege nicht an mir – er sei einfach nicht verliebt. Das Gefühl ist FUCK. Ich habe diesen Satz schon oft gehört. Es ist mir schon sehr normal geworden, nicht diese Frau zu sein, in die man sich verliebt. Ich will das Gespräch jetzt beenden aber er sagt noch ein paar Dinge, die alle sehr nett sind. Ich freue mich über die netten Dinge – aber das Gefühl ist FUCK: Ich bin nicht in dein Herz gefallen.]

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2 Gedanken zu “ein zustand dazwischen

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