metabolismus

Ich will dein Meer sein. Mehr. Mehr. Meer sein. Ich will dein Mehr sein. Ich denke, du kannst dich in mich hinein legen – das ist okay. Ich denke, du kannst in mir schwimmen. Du musst keine Luft holen, mein Körper ist weich – ich bin ein weicher Mensch. Ich bin weich, meine Fläche ist leicht – zu durchdringen. Du kannst dich auf mich legen, auf die Oberfläche oder eintauchen – ich bin weich und offen – am Horizont ende ich. Wenn wir unsere Körper ineinander werfen und die Köpfe – wenn wir die Köpfe ineinander werfen – ist alles erlaubt. Beim Sex, erst beim Sex ist alles erlaubt. Nur danach eben nicht mehr. Oder wenn man wirklich glücklich ist, seine Mutter zu sehen – dann ist alles erlaubt. Nur danach eben nicht mehr. Mehr. Mehr. Ich will dein Mehr sein. Beim Sex ist alles erlaubt. Nur danach eben nicht mehr. Es ist einfach, zwei drei Männer gleichzeitig zu lieben. Es ist so einfach, dass ich versucht bin, meine Liebe noch auf einen vierten, fünften auszuweiten – sechs, sieben – nur um in Erfahrung zu bringen, nach welcher Linie diese Grenze verläuft – meine Grenze. Worin meine Liebe begrenzt genug ist, keine Liebe mehr zu sein. Wahrscheinlich bin ich Gott, wenn ich die Grenze meiner Liebe auf alle ausweite. Ich könnte versuchen, meine Grenze auf Gott auszuweiten. Hallo Gott. Es muss grausam sein, alle zu lieben. Ich will, ich will, ich will – ich will, dass du nur mich liebst. Ich will, dass du mich liebst. Ich will deine langen Arme um meine Hüfte tanzen spüren – immer wieder sollst du mir ins Gesicht spucken – immer wieder, bis dieses Gefühl verstummt – es soll verstummen. Bis diese Grenze verstummt, die du bist. Spuck mir ins Gesicht. Ich will alles wissen und noch mehr. Ich will dich wissen. Ich will dich wissen – ich will leben. Ich will leben mit deinem Blut in meinem Mund. Ich liege auf deinem nackten Bauch. Mein Kopf ist schwer und nur dein Atmen hält ihn davon auf, ganz in deinem Fleisch zu versinken. Ich kann jeden Knochen spüren. Ich will jeden Knochen spüren und meine Finger tanzen deine Adern entlang, weil ich sie kennen will – jede einzelne und ich gebe ihnen Namen, den vielen kleinen Hügeln und Wölbungen deinen Körper entlang. Namen sind wichtig. Am liebsten küsse ich die Kuhle unterhalb deines Kehlkopfes, darin will ich meine Zunge begraben, meine Finger immer wieder rein fahren – immer und immer wieder, bis da nichts mehr ist, ausser du und ich und dann ist da immer noch ein du und ich. Wir ist ein absurder Zustand. Ich küsse deinen Hals – ich küsse deinen Hals und mein Mund könnte dich erdrücken – könnte jedes Moment in dich einschlagen – einfach kurz die schmale Linie deines Lebens zudrücken. Ich will meine Grenze auf dich erweitern – I got lost in someone else. Ich summe diese Dinge – und Tauben vergiften im Park – Die Herzen sind schwach und die Liebe ist stark.

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2 Gedanken zu “metabolismus

  1. Das kommt mir vor, vielleicht liegt es am Sujet, wie ein sich Nackt machen nach innen – schutzlos die Gedanken preisgeben, die spontanen Echos kreisen und hallen lassen, bis es wie wahnsinnig ist. Ich frage mich zugleich – geht das denn? Die Häutungen, wenn man nach innen Nackt sein will, sind ja eher wie Zwiebelschalen. Oder Gesteinsschichten. Unter dem, was man offen legt, ist das Gleiche noch einmal, das Offene verbirgt eine neue Membran, und immer noch etwas, was darunter liegt – der mythische Palast des „true self“ hat unendlich viele Kammer, Gänge, Keller und Flügel. Ha!, und heute wird pi gefeiert – auf die Vergeblichkeit aller absoluten Präzision wie bei pi kann man auch beim Schreiben stoßen: die absolute Präzision ist nicht erreichbar. So hilft es nicht viel, glaube ich, ich weiß es aber nicht, sich nackt zu machen mit Worten auf drei, vier Stellen hinterm Komma. Die Literatur kommt auch in der wahrsten Expression nicht drumherum, am Ende noch einmal weiterzurechnen = weiter zu reflektieren und durchzuarbeiten und umzuschreiben und „tiefer zu bohren“. Probebohrungen, so könnte man solche Texte vielleicht auch nennen. Oder Proberechnungen. Oder „Näherungstexte“.

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