episode am strand

„Ich verliere!“ – Henrys schneller Blick über Schwarz und Weiß. „Ich verliere!“ – Norah schob den Bauern ein Feld weiter. Henrys schneller Blick über Schwarz und Weiß – mit dem ganzen Körper glucksend. „Deine Züge sind nur Intuitionen.“ ein leichter Hauch ging ihm durchs Haar. „Glaubst du nicht, dass man schwimmen gehen kann?“ Norah wendete den Kopf zum Meer. „Konzentrier dich. Du spielst Schwarz – du musst reagieren – was tust du jetzt?“ – „Glaubst du nicht, dass man schwimmen gehen kann?“ Norah lies Sand zwischen Daumen und Mittelfinger kreisen – sie hatte keine Lust mehr zu spielen. Verstehst du? Ich will nicht mehr spielen! Norah hatte eine Entscheidung getroffen – die Affären nervten sie. Es nervte sie, dass mit jedem Kuss, mit jedem Moment der Aufmerksamkeit, ein Teil von ihr irgendwie dort, genau an dieser Stelle – auf irgendwelchen Lippen, verloren ging. Ich will sie einsammeln – die vielen kleinen Teile, will sie festhalten – will mich halten – gegen dich. „Ich will nicht ständig verloren gehen!“ – „Konzentrier dich – du musst jetzt einen wichtigen Zug machen.“ Norah lag auf dem Rücken. Sie konnte das Schachfeld nicht mehr sehen, sieht nur den Himmel und fragt sich, ob man vielleicht doch schon schwimmen gehen kann – es ist doch schon Mai – oder? War es Mai oder war es April? Es schüttelte sie ein wenig. „Ich glaube, ich bin anders. Ich glaube, ich will so unbedingt nicht alleine sein, dass ich mich sofort verliebe – ich verliebe mich schon in die kleinste Aufmerksamkeit – ich verliebe mich in die kleinsten Kleinigkeiten, die einen Menschen attraktiv machen – ich glaube, ich bin schnell verliebt. Macht mich das zu einem schlechteren Menschen?“ langes Schweigen. „Ich glaube, dass macht mich zu einem einsamen Menschen.“ Und manchmal rede ich mir ein, dass dieses schnelle Verlieben die Fähigkeit ist, schnell das Schöne in einem Menschen erkennen zu können – aber wenn Schönheit nur eine subjektive Empfindung ist, dann legt man die Schönheit vielleicht selbst überall hin und in andere Menschen rein und der Mensch, der Andere – der kann vielleicht gar nichts dafür. Warst du schon mal etwas Besonderes? Ich meine, warst du schon mal für einen Anderen etwas ganz Besonders – also du? Du – als die Person, die du bist, die du sein willst, die du warst? Ich wäre ja schon gerne etwas Besonderes. Hast du schon mal etwas Unmögliches Gedachte und es dann ausgesprochen? Ich meine, diese seltsamen Dinge, die man so denkt aber man kann sie nicht aussprechen – und wenn man etwas nicht sagen kann, existiert es dann überhaupt? „Norah – du konzentrierst dich gar nicht.“

aus Kapitel sechs patina
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