die taktung unserer depressionen

Schreib mir etwas Schönes. Sei schön. Unter dem blassen Dunst an Wolken erscheint die Sonne nur als heller, abgeschlossener Kreis und strahlt nicht. Es fehlt dieses Leuchten, wofür die Sonne bekannt ist. Es fehlt diese Bitte nach Aufmerksamkeit, während es doch nur an ihr liegt, all die Dinge – all die Dinge, die wir wichtig nennen, sichtbar zu machen. Wahrnehmung z.B., ist ein schönes Wort. Es bedeutet die Möglichkeit, Wahres von den Dingen zu nehmen, die auf uns wirken. Unter dem blassen Dunst an Wolken, verschwindet die Sonne langsam – nur das Licht bleibt. Es gibt also auch an dunklen Tagen zumindest die Ahnung einer Sonne – das ist gut. Das ist etwas Schönes. Ich denke, es ist einfach, sich diesem Momenten Licht hinzugeben – es ist einfach, ein bisschen so zu tun, als wäre es hell. Ich stehe am Tor zur Hölle – es ist nur ein Raum voller Menschen aber ich nenne es gerne Hölle, weil potenziell jeder das eine oder andere schlimme Gefühl in mir auslösen könnte. Ich bin froh, wenn ich mir die Person, der diese Ehre zu Teil werden soll, selbst aussuchen kann. Entschuldigung – würdest du kurz meine Seele halten? Ich denke, jede meiner Bewegungen in diesem Raum ist eine Zumutung – jede Bewegung ist ein Raumnehmen gegen den Raum des Anderen. Entschuldigung. Tut mir leid – will ich sagen, es ist meine Lieblingsfloskel – tut mir leid, dass ich hier bin und furchtbar anstrengend. Ich denke, man kann sich nicht oft genug für das eigene Dasein entschuldigen. Unter dem blassen Dunst an Zigarettenrauch erscheinen die Individuen als verschwommene, abgeschlossene Kreise und strahlen nicht. Wir müssen uns nicht sehen – es reicht die Ahnung, kurze Kenntnisnahme – jeder Form von ungünstiger Lichtsituation ist dem Zwischenmenschlichen Hin und Her nur förderlich. Ich versuche, eine Position zu finden, in welcher ich meinen Körper nicht spüre – der Kopf kann ja auch erotisch sein. Diese unglaubliche Dehnung eines Muskels, der wirklich keine Übung braucht – der einfach funktioniert, wenn ich es will. Die Idee ist leben. Ich brauche kurz diese Hoffnung, dass sich dort vorne – dort in diesem Ort, den wir Leben nennen, dass ich dort alles entladen kann – dort alles abstellen und liegen lassen kann. Schreib mir etwas Schönes. Ein Gedicht z.B. oder einen Haiku oder nur ein paar Zeilen oder ein gutes Wort oder das irgendwo dort vorne, irgendwo in diesem Ort, den wir Leben nenne, dass irgendwo dort auch wirklich Leben ist.

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