ich warte darauf

Seit ich dir so viel von mir erzählt habe, redest du nicht mehr mit mir. Das sollte mich nicht traurig machen. Ich warte mit den wichtigen Gedanken auf die Nacht – mit den kitschigen Gedanken, mit den Gedanken, die niemand hören soll. Ich spreche sie so lange aus, bis die Worte ihren Sinn verlieren. Das sollte mich nicht traurig machen. Ich warte mit den richtigen Gedanken auf die Nacht – also sie, sie warten auf mich. Sie warten darauf, dass es dunkel wird, dass niemand mehr mit mir spricht, dass dieser Strom zum Erliegen kommt – darauf warten sie und erst dann, wenn mich nichts mehr ablenkt, wollen sie sich in mir erbrechen, die kleinen Geister. Ich warte mit dem Klein-sein auf die Nacht – ich warte darauf, immer kleiner zu werden. Ich warte darauf, einfach zu verschwinden. Es kommt mir sinnvoll vor – ich bin schon ganz klein und manchmal denke ich, es braucht nur einen zarten Ruck, eine sanfte, eine klitzekleine Bewegung und ich bin endlich verschwunden. Ich warte darauf in der Nacht. Ich warte darauf, dass dieser Druck – er beginnt immer irgendwo unterhalb des Herzens – ich glaube in der Nähe des Zwergfels – so ziemlich in der Mitte meines Körpers unterhalb des Herzens – ich warte darauf, dass dieser Druck sich langsam ausdehnt, ins Herz hinein und in den Magen, seitlich an den Nieren vorbei – ich warte darauf. Ich warte darauf, wie er langsam die Beine hoch gleitet hinein in die Zehen, über die Schulter bis in die Fingerspitzen und dann werden meine Hände steif – ich versuche, sie zu dehnen aber sie bleiben Steif, in einer steifen, ungelenken Position. Das ist dieser Druck, der mir von mir erzählt – immer wieder. Das ist dieser Druck und er will mich sprengen – von innen heraus und er fasst mir in die Kehle – einfach so, weil er es kann. Er fasst mir in die Kehle und lässt nicht mehr los. Er greift sich in meinen Zähnen fest und in meiner Zunge und lässt nicht mehr los. Ich schüttle mich – ich versuche meinen Körper zu schütteln, ich schlage meine Beine gegen die Heizungsrohe – ich verstehe ihn nicht – ich bin offen, du kannst gehen. Ich schüttle mich, er bleibt. Ich ziehe mir die Haare aus dem Kopf – du kannst gehen. Ich warte mit den wichtigen Gedanken auf die Nacht – und den Tränen und dann wundere ich mich, dass niemand da ist. Dann verliere ich das Gefühl für meinen Körper – er ist irgendwann, während ich die Beine gegen die Heizungsrohe geschlagen habe, stumm geworden – er ist irgendwann ganz in diesen Druck übergegangen – ich spüre nur noch, wie es gegen alles pocht – ich weiß nicht mehr, was Innen und was Außen ist. Ich spüre den Druck und irgendwann merke ich, dass ich mir die ganze Zeit – ich weiß nicht, Stunden – dass ich mir stundenlang in den Finger gebissen habe und das Blut tropft über die Holzdielen. Ich glaube, er will mich töten – und ich denke, es wäre besser so – ich kann so nicht leben. Niemand kann das. Niemand kann so leben und niemand kann so mit mir leben – mit mir und diesem Druck. Ich warte auf die Nacht und wenn ich alleine bin – ich bin alleine. Ich warte auf die Nacht, wenn ich alleine bin – du hörst nicht zu. Ich verlagere mein Ich zu häufig in dich. Und diesen Druck. Du hörst nicht zu. Ich würde mir auch nicht zuhören. Nach dem Druck kommen die Gedanken, die mir von mir erzählen und dass ich keinen Wert habe. Nach dem Druck kommen die Gedanken und sammeln die Stationen meiner Wertlosigkeit ab – die Wegmarken und dass die Welt nicht anders wäre. Und die Welt ist schlimm und die Menschen darin und ich. Und von weit entfernt sehe ich meinen gekrümmten Körper irgendwo zwischen Heizungsrohr und roten Holzdielen und ich kann schon wieder ein wenig über mich lachen – dass alles so ein wenig lächerlich ist. Ich warte darauf, zu verschwinden. Ich warte darauf, dass ich mich in meiner Lächerlichkeit auflöse und wir herzlichst darüber lachen. Seit ich dir so viel von mir erzählt habe, redest du nicht mehr mit mir. Das sollte mich nicht traurig machen. Das macht mich nur erbärmlich. Und dieser Druck –

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