euphemismen

Ich liege lang in deinen Arme. Dein Schwanz pocht gegen meinen Arsch – aber dein Atem geht ganz ruhig – du schläfst. Ich weiß, mein Schlaf endet früh auf leisen Schritten durch die Tür – das beruhigt mich. Ich bin eine Episode – eine Phase – ein Impuls – also diese Stimmungen in mir. Und du. Du sagst, ich würde besser aussehen ohne die schwarze Kriegsbemalung auf den Lidkanten. Ich wäre hübsch. Ich denke, irgendwann wirst du dieses Kompliment zurück nehmen – ganz bald. Aber ich sage: Ich weiß. Ich denke, du musst es zurück nehmen – das ist diese narzisstische Kränkung – ich kenne das aus der Literatur. Da schreiben Männer und Frauen von ihren Kränkungen. Ich wünschte, du hättest mir vorgelesen – auf meinem Körper kann man gut lesen. Ich wünschte, du hättest mehr sagen müssen als: Du bist hübsch. Ich gehe mir einen festen Händedruck, ein Mal feste Arme um meine Schulter geschwungen – ein Mal das Gefühl, nie wieder los gelassen zu werden mit Arsch gegen Schwanz kaufen. Im Zweifelsfall kann ich gut bezahlen, ich muss mich nur neben mich selbst setzen und die Augen zudrücken – und je schneller wir uns bewegen, um so schneller kann ich vergessen, dass du keinen Augenblick verschwendet hast, nichts gelesen hast auf mir, mir nichts gelesen hast. Ich kaufe dir trotzdem alles von den Lippen ab. Aber es ist sehr wertlos. Also ich. Und du. Morgen lässt dich mein Hübsch wieder kalt. Also jetzt mit halbtoten Armen um mich geschlungen und ganz ruhigem Atem. Morgen ist mein Hübsch wieder egal, hübsch einsortiert ins Regal – eingefallen nachts und verkauft gegen jetzt tote Arme und langsam drehst du dich im Schlaf. Es sind die Gedanken einer Frau, die in fremden Wohnungen nicht schlafen kann. Du bist eine Episode – eine Phase – ein Impuls. Also ich. Ich warte darauf, dass es vorbei geht – vorbei zieht – egal wird. Das Gefühl, egal zu sein. Ich warte auf dieses Gefühl, dass es mir egal ist. Ich warte auf dieses Gefühl, kein Gefühl zu haben – für keinen Menschen mehr – und Arme, feste Arme. Und hübsch zu sein. Langsam lässt du los – erschlaffst im Schlaf – ich frage mich, wie viel Gefühl in diesen Zwischenraum passt, während du dich langsam wegbewegst – mit dieser Gelassenheit und still. Ich dachte immer, Stille teilen – das wäre das Beste, was mir widerfahren könnte. Ich denke, die Komplimente – dass sind so Momentaufnahmen – Schnappschüsse – kleine Gefälligkeiten, die man sich gegenseitig antut. Die passen recht gut in diesen Zwischenraum, wenn man sie noch ein wenig dehnt. Die passen recht gut und in meine Fugen, wenn ich mich kriegsbemale und Ausschau halte nach einer Episode – einer Phase – einem Impuls. Also mir. Wer schläft, der liebt nicht.

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