libido

Ich muss auf die nächste Vernissage mit DJ – es ist wichtig, dass man mich irgendwo in der Ecke erspäht, wo ich sachte zum Takt wippe mit meinem Kopf gegen die Wand. Mich stört der Krach nicht beim Betrachten der Kunst – oder bei der ausführlichen Verwendung sogenannter Fremdworte. Ich kann auch meine eigenen kleinen und lächerlichen Befindlichkeiten in Worte bringen und mich Schriftsteller nennen. Ich glaubte vor Jahren, es müsste Dinge mit Bedeutung geben. Zeilen oder so. Aber wir sagen so viel – wir reden so viel einfach nur so, um die eigene Stimme zu hören – um wüst zu sein und lauter. Ich schlage meinen Kopf in die Wand und denke über Masturbation nach – sich einen runter holen ist nicht weiblich – es ist nicht weiblich, Lust an sich selbst zu empfinden – wir sollen uns möglichst nur im Anderen lieben. cc. die Männer. Ich darf also nicht meine Hand in meiner Scham begraben und dabei an dich denken. Es dauert ja nur ein paar Sekunden – meine Libido ist da ganz eindeutig. Ich muss mich nicht mal berühren – ein zwei Gedanken in die richtige Richtung. Ich lasse den Blick durch den Raum gleiten – die hübschen kleinen Künstler und ihre Befindlichkeiten, ihre hübschen kleinen Befindlichkeiten, ihre kleinen Verletzlichkeiten haben sie in Form gegossen und ausgestellt und schreien leise vor sich hin. Ich versuche, heraus zu finden, wer am meisten leidet – das turnt mich an. Ich bin zynisch – auf Vernissagen mit DJ. Sorry. Ich mein, es fällt mir nicht leicht, mich selbst ernst genug zu nehmen, hier in der Ecke mit Kopf gegen die Wand und Libido. Und Künstler sind so ganz liebenswerte Geschöpfe zwischen radikalem Narzissmus und lieblicher Selbstauflösung. Ich will dich streicheln. In der S-Bahn sitzen zwei Engländer neben mir und plötzlich spring der eine auf und sagt nur: „I need action.“ läuft den langen Gang entlang und setzt sich neben irgendeine Frau – die erste, die zweite: „Are you having fun?“ es funktioniert. Der andere starrt in sein Smartphone. Heute ist so ein Tag, da passt mein Kopf ganz gut in die Wand – ich könnte darin untergehen. Die ganzen vielen Individuen … „Du wärst wirklich schön, wenn du nicht so viel denken würdest.“ Du wärst wirklich, ohne Libido im Kopf. Die Individuen – in meiner Traumvorstellung bin ich es zumindest wert, gehasst zu werden. Ich kann so schön Dinge in mich rammen – Worte, Zeilen – Bedeutung. Ich kann so schön ja sagen, zu allem was mir fehlt – mit dem Kopf in der Wand. Ich kann so schön in der Ecke stehen und alles verurteilend mich in Selbstmitleid auflösen. Ich kann so schön Nichts sein und dann ist es okay, dass du mich nicht mal hasst. Dass du an mir vorbei ziehst wie langer Regen. Ich kann dann nachts im Bett liegen und masturbieren und flennen.

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