bang bang, my baby shot me down

Er hat keinen Inhalt. Er ist eine hohle Form. Er hat keine Stimme. Sie singen im Radio, was von meiner Wand tropft. Was ich aufgetragen hatte, um einen Moment Ruhe zu haben – in meinem Kopf. Und während ich auf meine Wand schreibe, schreibe ich nicht – ich male nur. Es sind simple Striche – einer nach dem anderen und es tut gut, denn es hat keine Bedeutung. Es sind nur rote Striche auf meiner Wand – einer nach dem anderen unsauber aufgetragen gegen Raufasertapete – wer hat das überhaupt erfunden? Ich werfe Worte an die Wand und sie verlieren ihren Klang – es halt nicht mehr, wenn man sie festhält, die kleinen Worte dieser Welt – wenn man sie festnagelt ans Kreuz, die kleinen Bedeutungslosigkeiten. Ihr könnt jetzt ruhig sein – sagt jetzt nichts mehr, bewahrt Ruhe, seid still. Manchmal starre ich euch an – die roten kleinen Striche auf meiner Wand und ich bin mir fast sicher, wenn ich wegschaue, tanzt ihr wild – ihr könnt euch bewegen – ihr seid wandelbar, wenn ich nicht hinschaue – nicht? Aber ihr wollt es mir nicht verraten – ich weiß schon. Ihr wollt unter euch bleiben – unter euresgleichen und mich wollt ihr alleine lassen. Niemals einsamer als jetzt – aber wer weiß schon, dass das ein Gottfried Benn Zitat ist. Ich weiß es nicht. Ich kann zitieren was ich will. Und ein Gedicht zu interpretieren – euch scheiß Worte an meiner Wand – das sagt doch viel mehr über mich selbst aus, als über euch. Ich gehe da mit Roland Barthes und sage: Der Autor ist tot. Zum Glück bin ich kein Schriftsteller. Bang bang, my baby shot me down. Ich weiß nicht, was es bringen soll, nicht zu schreiben. Ich weiß nicht, was es bringen soll, in der Welt zu sein. Ich male rote Striche an die Wand und rede mit ihnen, wenn mir danach ist. Aber was am meisten schmerzt, ist dieser Gedanke, dass ich wirklich mich meine wenn ich Ich schreibe. Sprache kann ja so gemein sein.

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bang bang, my baby shot me down

2 Gedanken zu “bang bang, my baby shot me down

  1. Diese durchaus tiefgründig aufgearbeitete Differenz von Klang, Stimme, Wort und Ton imponiert mir. Man spürt die kulturwissenschaftliche Affinität und Beeinflussung des Textkörpers. Ihre Arbeit dünkt mich weitaus besser als so manch zeitgenössische Prosa!

    Freundliche Grüße,
    Ángel

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