das gleiche das gleiche aber anders

There’s a gap in between// There’s a gap where we meet// Where I end and you begin …. Ich kenne dich nicht. Du bist Vorstellung. Ich kann dich mir vorstellen – ich kann das, was mir an dir gefällt, dieses sensitive Moment in mir ganz hervorrufen und deine Person damit ausfüllen. Ich kann sagen: du bist schön. Und jedes dieser Momente hat Bedeutung. Ich rufe dich in meine Erinnerung – meine Gedanken hängen an deinen Worten, an den kleinen Vorstellungen, die du in mich pflanzt. Also ja – was ist mit dem Leben, dass wir nicht weg werfen – was ist mit der Zeit, die wir nicht vergeuden. Aber es sind meine Vorstellungen – das bin ich, in deinen Augen. Ich suche beharrlich nach mir in deinen Worten – in diesem sensitiven Blick aus der Welt heraus in was – wen schaust du an? Mir bleibt der Atem weg. Nach und nach entbehre ich Momente – dann schreibst du von deiner Unsicherheit. Ich mag diese kleinen Beharrlichkeiten, diese kleinen Sicherheiten in deiner Sprache – aber all das sind kleine Wände, an denen du dich fest hältst, um dich selbst nicht zu verlieren – auf diese Reise Selbstverlust – wie sich alles von Außen auf dich geworfen hat, dich verändern wollte. Aber der Kopf ist geblieben – der Kopf verbreitet sich ins diffuse Draussen und wartet auf Antwort. Was dir von Außen widerfahren ist, ist mir von innen widerfahren – und beide warten wir nur auf den Moment, welcher uns stürmen lässt – das alles hinter sich lassen können. Wir schmeißen unser Leben nicht weg. Warum weinst du? Du könntest doch auch lachen. Wir können zusammen diese Freiheit sein, nach der wir suchen. Dieses Gefühl sich aufzulösen – und Beziehungen enden nach vier Jahren – die Ichs haben sich verbraucht. Nach Innen – nach Außen – ich weiß es nicht. Diffus in alle Richtungen. Und alle sieben Jahre sind wir ein komplett neuer Mensch. Manche Worte sind dann so klar. Handlung einfügen – aber es gibt keine. Es gibt sich drehen in diesem Raum von Worthüllen – wir werfen unser Leben nicht weg. Mir gefällt das Ich, welches du in mir hervor bringst. Vor dem Computer zwei Lesende – sie schauen sich an. Und manchmal ist es, als würden sie durch sich hindurch blicken – der eine durch den anderen und durch sich selbst. Nichts von dem, was wir denken und dichten, wir wortverliebten Idioten, nichts von dem wird je eingehen in die Ordnung des Universums. In der U-Bahn zwei Lesende – sie schauen sich an. Ich kann so tun, als wäre jeder Moment Vorhersehung – oder Zufall. Ich kann mich gegen diese Grenzen halten – aber ich sage nichts mehr. Und in meiner Vorstellung sind es alles große Menschen. Aber wann fühlt es sich richtig an? Sind wir nicht längst außerhalb dieses Raumes – sind wir nicht weit entfernt von richtig oder falsch? Natürlich läuft es auf nichts hinaus – denn du läufst auf nichts hinaus. Eine gewisse Unnahbarkeit ohne Kalkül – die reizbarste Form. Und ich bin ja geblieben.

aus Kapitel 5
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