Das Problem sind die Filterblasen

Achtung! Kein literarischer Text sondern meine Meinung!

Ja Herr Matussek – Sie sind homophob und daran ist absolut nichts gut so. Um ehrlich zu sein, diese neue Welle des man-wird-ja-mal-sagen-dürfens hat mich schlicht umgehauen, sprachlos gemacht, schockiert. Aber warum eigentlich? Eine ultrakonservative Rechte gab es schon immer und nach dem wir jetzt ein paar Jahre einen auf super liberal gemacht haben, ist die eben mal wieder am Zug. Okay. Dann kommt also so ein Hampelmann wie Stängle und behauptet, … ja was behauptet der eigentlich? Wir haben das alle gelesen, ich muss es jetzt nicht ein weiteres Mal polemisch zusammen fassen. Oder Mattusek, der sich seine Gedankenfreiheit heraus nimmt und zwar nicht, weil er ein Mensch ist, der in einem Rechtsstaat lebt und also auch für ihn das Grundgesetz gilt, sondern weil das zu seinem Stolz als Publizist gehört. Ja – für eine angeblich aufgeklärte Gesellschaft, 250 Jahre nach Kant, ist das schon peinlich. Aber warum – warum schockiert mich das alles so sehr, dass ich sprachlos bin? Dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Dass mir nichts anderes übrig bleibt, als mich in Gedanken hinter Polemik zu verstecken? Common. Es schockiert mich, weil ich dachte…das Thema sei durch. Echt jetzt. Ich lebe in Berlin unter meinen Freunden…und eigentlich reden wir nur selten über dieses Thema, weil es uns einfach egal ist…heterosexuell, homosexuell, bi…whatever. Darüber reden wir nicht. Wir reden über Kunst oder Literatur oder Filme – machmal auch über Politik…aber ob X oder Y schwul ist…wen interessiert das. Mich nicht. So bin ich aufgewachsen. Es gibt also Männer, die auf Männer stehen – okay. Ist doch alles Liebe. Ist doch schön. Ach – du hast eine Freundin? Super! Ich freu mich für dich. Thats it. Heute ist eine coole Party in irgendeinem schwulen Club? Alles klar – ich bin dabei. Dein neuer Freund ist als Frau zur weltgekommen – ist doch super. Das ist die Filterblase, in der ich lebe. Und ich glaube, genau das ist das Problem. Wir alle leben in Filterblasen. Wir sind nur mit Leuten befreundet, die unsere Interessen teilen, die ähnliche moralische Auffassungen haben, die einen ähnlichen Grad an Bildung besitzen. Wir sind vielleicht super liberal…aber wir tragen genau so Scheuklappen, wie die ultrakonservative Rechte, die uns die Werte von Gestern als zukunftsweisend verkaufen will (der Freitag 8/2014). Und wir haben es nicht kommen sehen. Wir sind vorgeritten mit unserer liberalen everything-goes Einstellung und haben sie überrannt – die ganzen gut-bürgerlichen Leutchen aus dem Ländle. Für die geht es nämlich um Leben und Tod. Niemand will euch eure Meinungsfreiheit weg nehmen – echt nicht – und eure Gedankenfreiheit schon gar nicht. Ich dachte nur, die Gesellschaft in der ich lebe, sei in Gedanken so weit aufgeklärt, dass es heute eben keine Rolle mehr spielt, ob man hetero- oder homosexuell ist. Mein Fehler. Aber aus Fehlern kann man lernen. Für mich bedeutet das, dass ich eben noch mehr Aufklärungsarbeit leisten muss. Ich werde jetzt aufhören, mich darüber aufzuregen – so schnell könnte ihr mich nicht mehr schockieren. Dank Matusseks rhetorischer Unfähigkeit – mein Stolz als Schriftstellerin und Absolventin des Philosophiestudiums erlaubt mir diesen polemischen Kommentar – weiß ich jetzt, was euer Problem ist. Ihr seid nicht dumm. Ihr seid gebildet. Aber verstanden habt ihr leider gar nichts. Und ich? Ich gehöre eben schon zu diesen Menschen – zu dieser Gesellschaft, in welcher der Mensch an sich zählt. Und ich will, dass meine Kinder (oder die Kinder meiner Freunde, weil ich wahrscheinlich gar keine Kinder haben werde – aber eigentlich meine ich alle Kinder und alle Menschen) genau in so einer Gesellschaft aufwachsen sollen. Und ich will nicht, dass diese Gesellschaft nur eine Filterblase ist. Und dafür werde ich mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, kämpfen.

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