am meer (8/12)

Wenn dann hinter mir die Türe zugeht: zugleich nahe und am weitesten entfernt. Du. Ich. Meine Socken passen farblich nicht zum Teppich – aber das macht nichts, sagst du. Das ist nicht wichtig. All das – all das was wichtig ist…das erklingt lachend. Und ich denke – ja – ich bin das. Ich bin dieses Mädchen mit offener Seele – ich bin das – hin und her Geworfenes im Kopf – ich bin das, immer ein bisschen zu viel an Gefühl – immer eine Nuance zu viel – immer eine Nuance bewegungslos – neben dir. Aber wir sind ganz dich. Und ich lache – das klingt so, als wären wir besoffen. Du. Ich. Ich kann deine Haarspitzen zählen, wenn du dich auf den Rücken legst – so ganz im Profil. Ich zähle – eins, zwei – ich zähle, um nichts zu denken – um nichts mehr zu denken. Und ich könnte vielleicht deine Hand nehmen – aber ich kann es nicht. Ich kann nur Haare zählen. Neben dir. Neben mir. Leichtes Blau in der Nase – Meer am frühen Morgen. Und du sagst, das ist nur das Waschmittel. Und ich denke – ja – du bist das. Mit Fühlung auf den Lippen – und einem Lächeln, wenn es dann still wird. Und alles ist irgendwie noch ganz weich, in alle Richtungen formbar. Und du bist das – mit langen Fingern leicht geschoben in die Hosentasche. Und du fragst dich, was ich noch so beobachtet habe in all den Stunden – kaum spürbar. Und du sagst, so einen Menschen wie mich, den könnte man sich nicht ausdenken. Ja – da passiert viel – zwischen den Zeilen, zwischen den Lippen – die Worte entlang. Die Worte entlang – und jedes Wort habe ich einzeln eingesteckt, irgendwo – jedes Wort gehört mir, dir. Und ich will auf diesen Punkt hinaus – auf diesen Punkt wo man sich gewahr wird, dass es zwischen all dem Unausgesprochenen schwer liegt, all das zuzulassen – wo man es nicht vermisst hat, wo es irgendwo verloren gegangen ist im Hall der eigenen vier Wände, im Hall des eigenen Kopfes – in langen Phasen des alleine seins. Und alles was ich noch höre, ist der Puls gegen das Trommelfell, wenn du sagt, dass es schön ist – nur Puls und meine Socken passen nicht zum Teppich. Und ich denke – ja – du bist das – schön im Hall zwischen den eigenen vier Wänden. Schön im Hall der Worte – ohne Mühe aufgehoben. Schön irgendwo dort, wo die Figuren aufhören und der Mensch beginnt. Und ich kann dich genau so wenig zusammensetzten, genau so wenig in Worte fassen. Und du lachst, weil ich nicht flüstern kann – nur laut bin und elegant vom Bett falle, wenn ich mich echauffiere. So ist das. Und bei all dem, was ich noch nicht kann, denke ich – es fällt leichter, wenn du dabei über mich lachst.

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am meer (8/12)

3 Gedanken zu “am meer (8/12)

  1. „All das – all das was wichtig ist…das erklingt lachend.“ ist ein sehr gelungener Satz, weil er zum Nachdenken anregt (wie übrigens einige Deiner Sätze und das zeichnet gute Literatur ja aus).
    Es liegt mir fern, Geschriebenes zu „zerinterpretieren“ oder daraus etwas lesen zu wollen, was der Autor uns damit sagen möchte.
    Es geht mir nur um die Perzeption, die individuelle und um das, was man vielleicht auch allgemein daraus ziehen kann.
    Außerhalb des Kontextes macht dieser Satz natürlich keinen Sinn. Das Wichtige kann auch lachend erklingen. Meistens tut es das nicht.
    Innerhalb des Kontextes lese ich daraus: die Unbeschwertheit der Protagonisten, das momentane Glück, das erklingt lachend und das allein ist in diesem Moment wichtig. All die Zweifel in diesem Moment erklingen nicht. Sie sind nur Gedanken im Kopf, die jetzt, in diesem Moment, nicht zu Wort kommen sollen.

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