empathie (5/12)

Sie lacht. Nein. Sie grinst. Ich mag es, wenn sie grinst. Ich stelle mir ihr Grinsen vor, wenn ich ein paar nette Sachen tippe – dann grinst sie nur für mich. Sie tippt auch ein paar nette Sachen – nett ist scheiße, denke ich und wir sind alle Klischees – wir sind diese Klischees und immer wenn ich sage, alle Männer seien scheiße, schüttelt sie den Kopf. Nur diejenigen, die mir begegnen. Und wenn ich sage, alle Frauen seien kompliziert, wird sie richtig laut. Aber ich bin weich. Ich bin formbar. Ich stelle mir vor, wie das wäre – einfach das Geschlecht zu wechseln – nicht mehr über all die Dinge nach denken zu müssen. Vielleicht ist es nur in mir. Vielleicht ist es meine Angst, die sich langsam darüber legt – die jedes Wort anders verstehen will – gegen mich selbst gerichtet – darum geht es. Ich will Worte anders verstehen. Sie grinst. Easy peasy lemon squeezy und So quick bright things come to confusion. Mitten im Satz springe ich auf – möchte dem ganzen ein Bild geben aber nach ein paar Sekunden merke ich schon, dass mir kein pfiffiger Spruch einfällt. Also tue ich so, als wollte ich mir nur ein Glas Wasser holen – halb voll. Vor ein paar Stunden saß ich noch mit dem Italiener im Café – sein letzter Abend – davon wusste ich nichts und ich greife automatisch nach seiner Hand. Er ist verwirrt – er sagt, bei dem Wort Milchkaffee müsste er immer an mich denken. Nur bei dem Wort Milchkaffee. Manches leere Blatt stresst mich. Dieses hier. Manche Worte stressen mich – deine. Ich weiß nicht, was es ist – aber da ist etwas Distanziertes in die Worte gerutscht. Er hat die Hand schon lange los gelassen – oder ich. Sie grinst. Du kannst niemanden zwingen, dich schön zu finden. Sagt sie. Man kann nur dasein und schauen, was dann so passiert. Nichts. Nichts. Nichts. Man stellt sein Sein in den Raum und nichts passiert. Ich hasse es, wenn meine Gedanken so abstrakt sind. Keine Fühlung. Ich will nicht immer zu darauf warten – ich muss mich jetzt los machen. Ich muss vergessen. Es gab viele Momente, in denen es hätte passieren können – es ist nicht passiert…also lass los. Stell dich nicht in den Raum. Mach dich nicht wichtig. Ich bin nicht wichtig. Ich bin irgendwas…eine nette Ablenkung, ein Moment jemand anderes sein können – mehr nicht. Stell dich nicht in den Raum – mach dich nicht wichtig. Intensität heraus nehmen. Begegnungen stressen mich. Menschen stressen mich. Ich bin immer am rotieren – eigentlich sollte ich alleine sein – ich muss alleine sein, weil ich nicht mit anderen zusammen sein kann – weil sie mich stressen, weil ich mir immer Gedanken machen muss…weil mich einfache Worte fertig machen. Sie grinst. Sie weiß es nicht, aber sie tut es. Der Italiener erzählt mir von seinem Haus auf Sizilien – wir machen Witze, ich würde ihn besuchen kommen…alle drei Monate….für drei Monate. Man bringt sich immer nur selbst zum weinen, denke ich…und die Tränen sind also wertlos. Wenn er redet, spielen seine Lippen katzenartig und ich behaupte, der Kellner würde ihm gehören – er darf ihn haben. Und der Kellner sagt, meine Liebe…hier ist dein Milchkaffee, meine Liebe. Es gefällt mir, wie er von der Beziehung zwischen Autor und Figuren spricht – wie er von dem Verhältnis des Autors zu seinen Figuren spricht – als wären die Figuren kleine Liebesbeziehungen. Meine große Leistung besteht darin, aus allem einen Traum machen zu können – einen Traum oder einen Drogenrausch – am Ende bleiben die Figuren abstrakt, als hätte es sie nie gegeben. Du hast eben nur aus einem Moment gehandelt, der geprägt war durch verletzten Stolz, sagt er. Heute keinen Kuchen. Sie zuckt mit den Schultern, wenn dich ein Mensch traurig macht, dann geh einfach. In meiner Vorstellung fällt das Glas auf den Boden…viele Scherben aber kein Tropfen mehr und ich denke an die Libelle – an den letzten Versuch, dem kleinen toten Wesen zurück ins Leben zu verhelfen. Aber es gibt kein Zurück. Also da bin ich…ich…also ich…und egal, wie ich es anstelle, egal auf welche Art ich mich bewege…aber das ist kindisch. Da sind viele kindische Gedanken in meinem Kopf und sie grinst – du schüchterst andere eben ein. Sagt sie. Und der Italiener lacht, als ich ihm von den vielen geteilten Seelen erzähle, aus dem Film – als ich sage, selbst die Kugelmenschenseelen seien eben vielfach geteilt und so gäbe es viele…eben viele Menschen, die sich gegenseitig suchen. Er lacht – ein schöner Gedanke. Ein kindischer Gedanke. Ich kann nicht gehen, bei diesem durchdringenden Blick ein wenig über den Rand der Brille hinaus und es gibt kein Zurück. Ich habe verloren.

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