….Alice

Wir wollen es nicht wissen. Wir wollen nicht wissen, was der andere denkt. Ein Meer von Einsamkeiten steht mit uns still// wo wir anklopfen. „Leg das Buch weg.“ Ich lege das Buch weg. Ein Selbstportrait bedeutet, mit sich selbst klar kommen – mein Blick geht rüber in die Fenster – Paare. Sich so von Wort zu Wort hangeln. Aber Worte sind Worte. Ein ganzer Stapel an Papier und jedes Wort gehört mir – mir alleine. „Hör zu –“ aber ich bin doch schon längst da. „Ich weiß nicht, wo dein Hase ist.“ Ja. Es bedarf einer Klarstellung – aber die einzige noch mögliche Klarstellung, wäre die Begegnung – die Worte werden jetzt nur zerfahrener und Beziehungen entwickeln sich um die Menschen herum. Und in jedem Menschen, den ich sehne, sehne ich nach einem Teil von mir. Ich will meinen rosa Stoffhasen zurück. Aber ich bekomme ihn nicht zurück. Statt dessen wurden mir Decken da gelassen – Decken und kleine Einsamkeiten. Und ich will – ich will mich an deine Schulter legen – ich will dich in meinen Arm nehmen – weil ich froh bin, dass du noch da bist. Aber du bist nicht da. „Wo ist mein Hase?“ – „Jetzt tust du es schon wieder – immer vermischt du die Ebenen.“ Dann lege ich die Stirn so lange in Falten, bis sie zu mir sprechen – am Ende kann man sich immer darauf zurück ziehen, dass man sich eigentlich gar nicht kennt. „Komisch oder?“ – „Ich weiß nicht, wo dein Hase ist.“ – „Komisch oder? Es reicht eine Sekunde – dann ist alle dagewesene Intimität einfach vergessen. Manchmal finde ich Menschen komisch.“ – „Ich weiß nicht, wo dein Hase ist.“ – „Es reicht eine Sekunde und man sieht plötzlich nur noch das Erbärmliche – jeder Mensch hat auch etwas Erbärmliches.“ – „Ich weiß nicht, wo dein Hase ist.“ – „Ich rede gar nicht mehr mit dir – hör nicht zu.“ – „Siehst du – du vermischt die Ebenen. Du tust so, als wären deine Geschichten real und das Reale nur Geschichten – du schreibst alles brav auf, verwischt die Gedanken mit ein paar lyrischen Worten – und dann glaubst du, ich hätte deinen Hasen weg geworfen.“ – „Aber er ist weg.“ – und dann werden sie laut – wenn die Worte fehlen. Ich bleibe am Fenster stehen, schaue auf Licht und Paare: Ich habe meine ganzen Ichs verbraucht – ich brauche jetzt mans und wirs und dus – aber die sind auch rar. Und einen rosa Stoffhasen, den er wahrscheinlich wütend zerstückelt hat – oder einfach in den Müll geworfen. Erbärmlich. Dann reiß ich meine Brust auf – einfach Brustaufreißen – hier – das bin ich. Worte sind langsames entlassen der Seele – Worte und Bewegungen und Tanzen und Dasein. Hier – kannst es zerkratzen oder zerreissen oder nur darüber lachen. „Ich weiß nicht, wo dein Hase ist.“ Ja. Ja. Ja.

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